Ana Blandiana

Der Wille des Menschen ist antastbar

Von der Allgegenwart der Manipulation
Cover: Der Wille des Menschen ist antastbar
Pop Verlag, Ludwigsburg 2024
ISBN 9783863564117
Paperback, 632 Seiten, 33,00 EUR

Klappentext

Eine Frau behauptet sich in einem Politik- und einem Literaturbetrieb, die zwar nicht nur von Männern, dafür durchgehend von "mannhafter" Brutalität und Niedertracht bestimmt sind. Die rauen Unsitten der durch und durch verrotteten und hinterhältig gewalttätigen Ceauşescu-Diktatur feiern höhnische Urständ in einer genauso menschenverachtenden postsozialistischen Konsumgesellschaft. Das gewissenlose Personal von einst hat den Sprung von der ideologisch maskierten zur unverhohlen mafiosen Korruption nachgerade akrobatisch bewältigt. Die in der Verwaltung der Misere eingeübten Fertigkeiten der Apparatschiks, Schergen und Spitzel bewähren sich aufs Unheimlichste in nunmehr obszön offen ausgetragenen Machtkämpfen. Mit anekdotisch untermalten, jedoch schonungslos entlarvenden Rückblicken auf die Trostlosigkeit des Sozialismus schildert Ana Blandiana die vermeintlich neue rumänische Welt, vor allem aber die Mühen, die es kostet, sich von dem zügellosen Missbrauch der Freiheit wahrhaftig frei zu halten. Ihre eigene Biographie liefert dabei den Stoff für eine Gesamtschau auf die rumänische Nachkriegsgeschichte, deren Dramatik ein ganzes Volk und verschärft seine Intellektuellen dermaßen versehrt hat, dass auch die Revolution von 1989 nicht anders als blutig ausfallen konnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2025

Mit Ana Blandiana geht Rezensent Elmar Schenkel den Wegen der finsteren Vergangenheit im Kommunismus nach. Ist das "Autobiographie, ein politischer Lebensbericht, Selbstkritik, Beichte oder Anklage?" Von allem ein bisschen, so der Kritiker, aber vorrangig ist es eine Reflexion darüber, was Menschen anderen Menschen antun können. Blandiana erzählt von ihrem Wirken als politische Dissidentin, von den verschlungenen Wegen der Zensur und den Absurditäten des Ceaucescu-Regimes. Auch von der Desillusionierung nach der angeblichen "Wende" kann der Rezensent hier lesen, die "die Wölfe haben sich Schafs- und demokratische Pelze" übergezogen, muss die Aktivistin erkennen. Eine "feine Beobachtungsgabe", an der der Kritiker die Lyrikerin in Blandiana erkennt, zeichnet ihre Schilderungen aus. Mit diesem Buch behandelt die große rumänische Schriftstellerin nicht nur die Vergangenheit, schließt der Kritiker, sondern weiß auch in die Zukunft - leider, denn der Wille des Menschen wird weiterhin antastbar bleiben.

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