Aus dem Russischen von Christiane Auras. Im Sommer des Jahres 1986 entschließt sich die russische Lehrerin Anna Regolskaja, ihre Mutter Maria mit zu sich in die Stadt nach Nischni Nowgorod zu nehmen. Das Elternhaus ist bereits verkauft und Maria scheint nur ein paar persönliche Dinge mitnehmen zu wollen. Doch dann überrascht sie ihre Tochter mit dem Entschluss, dass sie die Reise nicht ohne ihren mächtigen, vom Vater geschreinerten Esstisch unternehmen will. Am Vorabend der Abreise beginnt die Mutter die Geschichte des Tisches und ihres Lebens zu erzählen. Der Tisch birgt ein Geheimnis und ist die letzte Verbindung zu ihrer Familie, deren Spur sich im Zweiten Weltkrieg verliert. Zum ersten Mal erfährt die Tochter, was es mit dem Tisch auf sich hat. Insbesondere aber hört sie von Marias Liebe zu dem deutschen Wehrmachtsoffizier Georg, der sie beim Rückzug der Deutschen von einem auf den anderen Tag fluchtartig verlassen musste.
Als Mutter und Tochter aufbrechen, werden sie mit ihrem Tisch als übergroßem Gepäck am Zug zurückgewiesen, und so beginnt eine aberwitzige und abenteuerliche Reise über tausend Kilometer, die sie zu Fuß und mit Handwagen antreten. Ihre Fahrt durch die Weiten Russlands wird zu einer Reise durch seine Geschichte...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.07.2018
Rezensent Viktor Funk erfährt aus Ananij Kokurins alias Andrej Krementschouks Roman, dass die Erinnerung an die deutsche Besatzung Weißrusslands unterschiedliche Wege geht. Die im Buch verhandelte Reise und das Gespräch zwischen einer Mutter und ihrer Tochter über den gefallenen Mann und Vater und einen deutschen Offizier rührt laut Funk an tabuisierte Fragen in der Sowjetunion. Zur Einstimmung in die Lektüre empfiehlt Funk den Fotoband "No Direction Home" des Autors. Die Bildsprache der Aufnahmen entspricht der ruhigen, plastischen Sprache im Roman, meint er.
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