Als Helene Munson das Kriegstagebuch ihres Vaters Hans Dunker (des jungen Ruderers links vorne auf dem Foto) nach seinem Tode liest, entdeckt sie Geheimnisse, die er sieben Jahrzehnte lang verborgen gehalten hat, die ein verheerendes Trauma erkennen lassen, das sein ganzes Leben überschatten sollte. Während des Zweiten Weltkriegs rekrutierten die Nazis etwa dreihunderttausend deutsche Kindersoldaten. Hans war nur einer von ihnen. Als er mit neun Jahren auf die Elite-Reichsschule der NSDAP Feldafing geschickt wurde, geriet er in ein System, das aus Jungen wie ihm "Herrenmenschen" machen wollte, nur um sie dann in den letzten Kriegswochen als Kanonenfutter zu verschleißen. In der verzweifelten Endphase des Krieges wurde er noch an die Ostfront ins Sudetenland geschickt, wo er den Tod seiner Schulkameraden miterlebte und selbst verwundet wurde. Die Tochter beginnt ihre Geschichte mit einer Reise ins tschechische Dorf Závada, dem Ort des Kampfgeschehens. In ihren Recherchen deckt sie die verlorene Geschichte einer ganzen Generation auf, die im Schulsystem des Dritten Reiches einer brutalen Gehirnwäsche unterzogen wurde.
Eine interessante Lektüre "mit ein wenig Schlagseite" ist Helene Munsons Buch über die Jugend ihres Vaters Hans Dunker in einer NS-Elite-Bildungsanstalt laut Rezensent Otto Langels. Hans Dunker besuchte die Reichsschule Feldafing, eine Schule, die noch ein wenig elitärer war als die anderen nationalpolitischen Lehranstalten, genannt Napolas. Alle diese Schulen sollten die künftige Herrscherschicht des NS-Staats heranziehen. Neben den üblichen Schulfächern wurden auch der Umgang mit Waffen gelehrt. 1943 wurden die Schüler dann an die Front geschickt, noch Jugendliche. Munson greift auf Aufzeichnungen ihres Vaters zurück, die leider wenig Details über den damaligen Schulalltag enthalten, lesen wir. Dennoch sind sie das Stärkste an diesem Buch, findet Langels. Ansonsten findet er hier eine recht populäre Darstellung zum Thema vor, viel scheint die Autorin ohne Prüfung aus Fernsehfilmen und ähnlichen Quellen zu übernehmen. Auch stört sich der Rezensent daran, dass Munson immer wieder die deutschen Opfer im Zweiten Weltkrieg betont, auf die Verbrechen der deutschen Armee hingegen nicht eingeht. Als Dokument einer jugendlichen Indoktrinierung im NS-Staat ist das Buch dennoch lesenswert, schließt Langels.
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