"Viele Schrecknisse gerieten in Vergessenheit. Viele Schrecknisse (Schandtaten) hatten keine Zeugen. Viele Schrecknisse waren derart, daß ihre Darstellung keinen Glauben fand. Aber sie sollen in der Erinnerung leben bleiben."Oskar Rosenfeld schrieb diese Zeilen im Mai 1942 angesichts der Deportation von Juden aus dem Getto Litzmannstadt (Lodz) in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) in sein Tagebuch. Zahlreiche Juden hielten das Erlebte fest, damit Leben und Sterben im Getto nicht in Vergessenheit geraten würden. Die jüdische Gettoverwaltung richtete sogar ein Archiv ein, um diese Aufzeichnungen zu sammeln. Andrea Löw hat diese Selbstzeugnisse aus dem Getto in Litzmannstadt (Lodz) in deutscher, polnischer und jiddischer Sprache erstmals wissenschaftlich ausgewertet. Was wird über die Geschichte der Menschen im Getto berichtet? Wie versuchten sie, ihr Leben zu organisieren und gegen die Resignation anzukämpfen? Aus anonymen Opfern werden Individuen, die versuchten, auf ihr Schicksal aktiv Einfluss zu nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2007
Jens-Jürgen Ventzki preist die gründliche Studie der Historikerin Andrea Löw über das Ghetto in Lodz, von den Nazis "Litzmannstadt" genannt, als sehr beachtenswert. Die Autorin habe, indem sie nicht nur die Lebensbedingungen und die Organisation des Ghettos darstelle, sondern die Ghettobewohner selbst zu Wort kommen lasse, den zahllosen Opfern eine Stimme verliehen und ihnen damit ihre "Würde" wiedergegeben, so der Rezensent bewegt, dessen Vater Werner Ventzki Oberbürgermeister von Litzmannstadt war. Insbesondere die Schilderungen der alltäglichen, äußerst beklemmenden Lebensumstände im Ghetto durch die Bewohner haben den Rezensenten beeindruckt und ihm einen Eindruck von der Eigenwahrnehmung der Bewohner vermittelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2007
Das Getto in Lodz - von den Nazis in Litzmannstadt umgetauft - war das größte im besetzten Europa. Unter schrecklichen Bedingungen lebten zeitweise 200.000 Menschen auf dem Raum von etwas mehr als vier Quadratkilometern. Andrea Löws Studie untersucht, wie die von den Nazis mit erdenklich wenig Spielraum und wirklicher Entscheidungsgewalt versehene Selbstverwaltung das Leben, ja die Selbstverständlichkeit eines Alltags nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten sich bemühte. An der Spitze dieser Selbstverwaltung stand als "Judenältester" Mordechai Chaim Rumkowski, dessen Wirken Löw in ihrer Untersuchung beschreibt. Bewundernswert findet der Rezensent Klaus A. Lankheit, wie behutsam die Autorin mit heiklen Fragen der historischen Bewertung seines Verhaltens und insgesamt der Verwaltung, die auch darüber zu entscheiden hatte, wer aus dem Getto abtransportiert wurde, umgeht. Das von Löw entworfene Bild lobt der Rezensent als "erstaunlich" vielfältig, was sich vor allem der Verwendung von deutschen Historikern bisher wenig beachteter polnischer und jiddischer Quellen verdanke.
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