Zur Geschichte des Gettos im "deutschen Litzmannstadt" (Lodz), des zweitgrößten Gettos im besetzten Polen, existieren Überlieferungen der jüdischen Selbstverwaltung, Zeugenaussagen, Memoiren und Erinnerungen, durch die das Leben der Eingesperrten anschaulich wird. Viel weniger hingegen ist von der lokalen deutschen Verwaltung des Gettos bekannt. Peter Kleins Untersuchung des städtischen Amtes, das im direkten Reichsauftrag das Getto in Lodz verwaltete, leistet weitaus mehr als eine konventionelle Verwaltungsgeschichte. Im Getto selbst wurde die jüdische Bevölkerung aus wirtschaftlichen und fiskalischen Nützlichkeitserwägungen zur Arbeitsleistung verpflichtet, womit sehr schnell langfristige Strukturen und Verbindlichkeiten geschaffen wurden. "Arbeitsfähigkeit" war nun das entscheidende Kriterium für Leben oder Tod. Doch die Ökonomisierung des Gettos war umstritten. Klein kann zeigen, dass die Sicherung der Subsistenz der Juden stets erstes Ziel der Verwaltungsbehörde war. Anhand neuer Quellen aus der deutschen Gettoverwaltung, der Territorialverwaltung sowie der Reichsbehörden werden die Handlungsmotive der Entscheidungsträger analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2010
Rezensent Jens-Jürgen Ventzki, dessen Vater Werner Ventzki NS-Oberbürgermeister von Lodz war, zeigt sich von dieser Studie zur "Gettoverwaltung Litzmannstadt" sehr angetan und lobt sie als erhellende und gründlich recherchierte Arbeit. Der Autor, der Berliner Historiker Peter Klein, nehme insbesondere die komplizierten Machtverhältnisse innerhalb der Stadt und die Konflikte zwischen Behörden und wichtigen Protagonisten der Gettoverwaltung in den Blick, wobei sich nach Meinung des Rezensenten gerade in Lodz die Strukturen der NS-Vernichtungspolitik nachvollziehen lassen. Klein zeigt mit seinem Buch sehr eindrücklich, dass die auf Vernichtung und Vertreibung ausgelegte NS-Politik in Westpolen keineswegs von einer das deutsche Volk irreleitenden "Schar von Verbrechern" betrieben wurde, wie es Papst Benedikt XVI 2006 in einer Rede in Auschwitz ausdrückte, sondern eine "große Zahl von Überzeugungstätern" an den NS-Verbrechen beteiligt waren, so Ventzki zustimmend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2009
Rezensent Uwe Neumärker schätzt Peter Kleins umfangreiche Studie über die Verwaltung des Gettos Litzmannstadt von 1940 bis 1944. Im Mittelpunkt sieht er dabei - im Unterschied zu den meisten Arbeiten über dieses Getto - die deutsche Verwaltung unter Leitung von Hans Biebow, die als lokale Zivilbehörde im Reichsauftrag agierte. Er attestiert dem Autor, anhand einer Fülle von Dokumenten die Tätigkeiten dieser Behörde detailliert zu schildern, die Konkurrenz zwischen einzelnen Abteilungen und Akteuren aufzuzeigen und die effektive Zusammenarbeit diverser Behörden bei der Ausplünderung der Juden und schließlich ihrer Vernichtung akribisch nachzuweisen. Einziger Kritikpunkt ist für Neumärkter, dass es dem Autor bei der Beschreibung von Verwaltungsstrukturen und -abläufen oft nicht gelingt, sich vom Beamtendeutsch seiner Dokumente zu lösen, mit der Folge von teils "nicht unerheblichen Längen". Nichtsdestoweniger sieht er in der Arbeit einen bedeutenden Forschungsbeitrag zum Getto Litzmannstadt.
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