Im Zweiten Weltkrieg war den ab 1939 in Polen eingesetzten Wehrmachtsangehörigen, SS-Männern und Polizisten jeglicher Kontakt zu einheimischen Frauen verboten, da diese als 'rassisch minderwertig' galten. Dennoch gab es zahlreiche sexuelle Begegnungen. Sie waren mal einvernehmlich, mal geprägt von brutaler Gewalt, und oft verkauften Frauen ihren Körper, um zu überleben. Eindringlich schildert Maren Röger, Historikerin am Deutschen Historischen Institut in Warschau, diese Kontakte und stellt die Maßnahmen von Wehrmacht und SS dar: Während Bordelle eigens eingerichtet wurden, wurden Liebesbeziehungen zum Teil streng bestraft. Maren Röger gibt neue Einblicke in den Besatzungsalltag, die NS-Rassenpolitik und die schwierigen Schicksale der betroffenen Frauen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2015
Für Andrea Löw ein wichtiges Buch. Maren Rögers Arbeit über die Differenzen zwischen politischem Reglement und tatsächlichem Besatzungsalltag, vor allem in Sachen Sex, im besetzten Polen bedeutet ihr, wie vielfältig die sexuellen Kontakte und auch die damit eröffneten Abgründe zwischen 1939 und 1945 im untersuchten Gebiet waren. Wenn die Autorin den Motivationen dahinter wie auch den folgenden Diffamierungen und Denunziationen nachspürt, ahnt Löw, wie schwierig die Quellenlage zum Thema ist. Umso größer scheint ihr der Verdienst der Autorin, eine so nuancierte Alltagsgeschichte des besetzten Polens zu liefern.
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