Die Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen während des Zweiten Weltkriegs ist eine Geschichte des Terrors, der Korruption und der Vernichtung. Motor der fortschreitenden Brutalisierung waren die Kreis- und Stadthauptleute, eine aus dem "Altreich" kommende nationalsozialistische Funktionselite mit nahezu unbegrenzten Machtbefugnissen. Markus Roth beschreibt ihre Vorreiterrolle für die Radikalisierung in den zentralen Bereichen der Besatzungspolitik - und er schildert die Konsequenzen ihres Auftretens als notorisch gewaltbereite »Herrenmenschen« im Osten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2009
Rundum überzeugend findet Rezensent Hans-Jürgen Döscher dieses Buch über die deutschen Kreis- und Stadthauptleute im besetzten Polen von Markus Roth. Diese Gruppe von etwa 130 Personen hat in der Forschung seines Erachtens - im Unterschied zum Generalgouvernement der Zivilverwaltung bislang kaum Beachtung gefunden. Umso mehr begrüßt er die Arbeit Roths, die er als "grundlegend und höchst ertragreich" würdigt. Auf breiter Quellenbasis zeigt der Autor in seinen Augen im Detail Machtbefugnisse und Handlungsspielräume der Besatzungsfunktionäre auf, deren Herrschaftspraxis durch Zwangsarbeit und Deportation polnischer Arbeitskräfte, Ausplünderung der Landwirtschaft sowie Verfolgung und Ermordung polnischer Juden bestimmt war. Deutlich wird für ihn auch der biografische und der generationenspezifische Zusammenhang dieser Personengruppe. Zudem hebt er die Darstellung von deren weiteren Karrierewege nach 1945 hervor. So kann er das Buch auch allen empfehlen, die sich für den Wiederaufstieg der ehemaligen Besatzungsfunktionäre in teils hohe Positionen der Verwaltung und Justiz interessieren.
Bestnoten erhält diese Dissertation über die Rolle der deutschen Zivilverwaltung im von den Nazis besetzten Polen von Rezensent Thomas Sandkühler. Ihr Hauptverdienst besteht aus seiner Sicht darin, die Forschungsperspektive um weitere Politikfelder und besonders den Blick auf die Vor- und Nachgeschichte erweitert zu haben, speziell durch einen "akribischen Überblick" über die Biografien von 130 Kreishauptleuten, die im "Generalgouvernement" eingesetzt gewesen seien. Höchst aufschlussreich findet Sandkühler auch die Ergebnisse, zu denen Markus Roths Studie kommt: die Verstrickung der Zivilverwaltung in die Verbrechen, Rekrutierungsmuster und soziales Milieu der Kreishauptleute, bei denen es sich nicht selten um "kriminelle Glücksritter" mit niedrigen Hemmschwellen gehandelt habe, die bewusst eingesetzt worden seien. Besonders überzeugend und bedrückend findet der Rezensent die Schilderung von Einzelfällen.
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