Gibt es das? Dass einer verschwindet, ohne Grund? Dass einer sich in Geschichten verwickelt, die er sich ausgedacht hat? Dass Anfälle von Panik einen jungen Mann so erschüttern, daß er ins falsche Milieu gerät? Dass jemand ganz außer sich gerät und binnen kurzer Zeit dramatische Veränderungen erfährt? "Abweg" spielt in einer mittleren deutschen Universitätsstadt, die Würzburg heißen könnte, und, so der Autor selbst, "in den späten siebziger Jahren, von denen mal jemand gesagt hat: Wer sich an sie erinnert, hat sie nicht erlebt."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2008
Dorothea Dieckmann hat diese Erzählung von Andreas Höfele, in der ein Universitätsprofessor aus seiner gewohnten Welt ausbricht und in die alptraumhafte Atmosphäre einer Drückerkolonne abtaucht, gebannt verfolgt. In bewundernswert präziser Sprache und mit in ihrer Genauigkeit irreal anmutenden Bildern beschreibt der Autor eine "Angstneurose" und lässt in der wahnhaften Wahrnehmung des Professors das "Unheimliche" durchscheinen, das auch den Leser nicht unberührt lässt, so die Rezensentin fasziniert. Als "klaustrophobisch" und dabei durch seine strenge Komposition dennoch luzide preist die Rezensentin diese Geschichte, die, wenn sie immer wieder ins Unwirkliche abgleitet, nicht zuletzt auch an Kafka erinnert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.03.2008
Nur spärlich gibt Christoph Schröder preis, was genau ihn an der Geschichte über einen selbstgewählten Abstieg in Deutschland im Jahr 1979 beeindruckt hat. Der Universitäsdozent und Familienvater Wieland bricht radikal mit seinem privilegierten Leben, um sich fortan unter neuem Namen in einer Drückerkolonne durchzuschlagen. Der Grund ist vermutlich eine Angstneurose und zu allem Überfluss gerät er in politisch motivierte Verwicklungen. Immerhin konzediert der Rezensent dem schmalen, "aufgeladenen und durchaus nicht harmlosen" Band von Andreas Höfele eine soghafte Wirkung.
Als "überaus spannendes und hochkonzentriertes Prosastück" über die bleiernen siebziger Jahre lobt Rezensent Jochen Schimmang Andreas Höfeles Novelle über einen Mann, der erst sein Büro in einer Universität in Brand setzt, dann seine Familie verlässt und eine neue Lebensform für sich sucht. Für den Rezensenten klingt "ein bisschen Lenz" ebenso mit, wie der Nachhall der RAF durch diese Prosa dringt. Manches könnte seiner Einschätzung zufolge sogar von Franz Kafka stammen, an dessen berühmteste Protagonisten ihn Höfeles Held Wieland erinnert. Trotzdem handelt es sich Schimmangs Einschätzung nach bei diesem Buch um etwas ganz Eigenes. Dazu trägt für ihn speziell die "fast traumwandlerische sprachliche Sicherheit" bei, mit der es geschrieben sei, ein merkwürdig zwischen Realismus und Traumprosa oszillierender Stil.
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