Als Sigfried Giedion im Jahre 1929 seine kleine Schrift "Befreites Wohnen" publizierte, befand sich die klassische moderne Architektur auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Entwicklung. Was im Zeitraum von 1927 bis 1932 vor allem in Europa geplant und realisiert wurde, revolutionierte sowohl die Bautechnik, das räumliche Denken und die Bauästhetik als auch konventionelle Wohnkonzepte. Das vorliegende Buch wendet sich dem kulturellen Phänomen der "Befreiung" zu. In zeitgenössischen Textzitaten aus den hierzu veröffentlichten Publikationen sowie anhand illustrierter Abbildungen, in denen sich die begeisterte Dynamik der Architekten, Künstler und Schriftsteller jener Jahre mal wissenschaftlich, mal pathetisch und nicht selten auch amüsant widerspiegelt, vermittelt sich das Bild einer fundamentalen Komponente dieser Periode. Im Mittelpunkt stehen vorrangig die Villen und Einzelhäuser dieser Architektengeneration..
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2001
Michael Gassmann zeigt sich besonders von den vielen verschiedenen Blickwinkeln beeindruckt, aus denen der Autor sein Thema immer wieder neu beleuchtet. So werden nach Ansicht des Rezensenten besonders gut die verschiedenen Ansätze der Architekten deutlich wie auch die nationalen Unterschiede. "Es gibt nichts, was man vermisst", findet Gassmann, der diese Studie als "sehr gründlich" lobt - auch dort, wo der Autor sich selbst für bisweilen platzbedingte Oberflächlichkeit entschuldigt. Und so werde der Leser nicht nur mit der "Bedeutungsvielfalt der Kernbegriffe" vertraut gemacht, sondern erfahre auch viel über weltanschauliche Aspekte, Umsetzung, Einzelentwürfe oder auch über ethische Aspekte. Bedauerlich findet Gassmann lediglich den seiner Ansicht nach bisweilen kaum erträglichen "Wissenschaftsjargon", der das Lesevergnügen offensichtlich deutlich getrübt hat. Gassmann listet dafür etliche Beispiele auf, doch verspricht er auch, dass der, der sich davon nicht abschrecken lässt, "reichlich belohnt" werde.
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