Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit geringer Bautätigkeit in den zwanziger und bis in die dreißiger Jahre, gaben architektonische Utopien der Entwicklung der Architektur wichtige Impulse. Ihr Forum war der Korrespondenzzirkel der Gläsernen Kette, deren weitaus kühnstes und originellstes Mitglied Hermann Finsterlin (1887-1973) war. Dies zeigen deutlich seine Entwürfe aus den Jahren 1919-1922. Thema dieser Publikation sind Finsterlins kunsthistorische Stellung, seine Voraussetzungen und sein Einfluss auf die zeitgenössische Architektur. Exemplarische wird seine Rezeption durch Hans Scharoun und durch den ideenreichen Einzelgänger Wenzel August Hablik dargestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2000
Wolfgang Pehnt stellt dem Leser zunächst den Architekten Hermann Finsterlin und sein Werk vor und erläutert, dass Finsterlin mit seinen architektonischen Plänen, die eher Tiefseeschnecken, Muschelbänken oder Pilzkolonien glichen, nicht nur ein Utopist war, sondern auch so manchen Skandalerfolg verbuchen konnte. Gebaut wurden seine Entwürfe freilich nie. An dem vorliegenden Buch gefällt dem Rezensenten, dass Schneider nicht nur eine "Chronologie" gelungen sei, sondern dass er darüber hinaus auch eine "akkurate Formen- und Motivanalyse" vorgelegt habe, was die Gruppierung des Werks seiner Ansicht nach erleichtert. Allerdings überschätzt der Autor nach Ansicht Pehnts den Einfluss Finsterlins auf manche Architekten, so etwa auf Hans Scharoun. Die Herkunft Finsterlins, beispielsweise beim Münchner Jugendstil oder bei Hans Schmithals und anderen findet der Rezensent jedoch "plausibel geortet".
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