Andreas Kraß

Ein Herz und eine Seele

Geschichte der Männerfreundschaft
Cover: Ein Herz und eine Seele
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783103972061
Gebunden, 480 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Der Brieffreund, der Studienfreund, der "beste" Freund - es gibt viele Formen der Männerfreundschaft. Der Berliner Kulturwissenschaftler Andreas Kraß untersucht sie in seinem neuen Buch alle, von der Antike bis in die Gegenwart. Zwanzig Geschichten der Männerfreundschaft von Homer bis Wolfgang Herrndorf werden dafür analysiert und mit einem jeweils epochalen philosophischen Text in Beziehung gesetzt. Im Zentrum stehen nichthomosexuelle Freundschaften und ihre Passionsgeschichten, die einem Muster folgen: Warum muss erst der eine Freund sterben, damit der andere in leidenschaftlicher Weise über die Freundschaft sprechen kann? Und wie verändert sich dies im Laufe der Geschichte? Eine literarisch-kulturgeschichtliche Spurensuche voller neuer und überraschender Einsichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2017

Rezensent Thomas Macho liest Andreas Kraß' Geschichte einer Männerfreundschaft als Fortsetzung von Niklas Luhmanns Werk "Liebe als Passion". Dass der Berliner Literaturwissenschaftler zwar zunächst die systemtheoretischen Referenzen betont, dann aber schnell Geschichten über Freundschaften in den Vordergrund treten lässt, findet der der Kritiker vorteilhaft: Durchaus gespannt liest er, wie Kraß den Begriff der Freundschaft zu Liebe, Feindschaft oder Verwandtschaft in Bezug setzt und dabei trotz des Fokus auf Männerfreundschaften der Geschlechterfrage nicht ganz aus dem Weg geht - etwa wenn der Autor darlegt, wie ein Partner die männliche, der andere die weibliche Rolle innerhalb der Freundschaft übernimmt. Fasziniert folgt der Rezensent Kraß auf seinem Streifzug durch die Epochen von der Antike bis zur Gegenwart, die der Autor an ausgewählten Beispielen von Freundschaften beleuchtet. Nicht zuletzt lobt Macho dieses "einnehmende" Buch, das überraschende Gedanken etwa zur homoerotischen Beziehung zwischen Jesus und seinem Jünger Johannes offenbart, auch für den Ausblick auf moderne Diskurse der Homosexualität.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2017

Was haben Achilles, Old Shatterhand und Uwe Timm gemeinsam? Die Antwort liest Rezensent Oliver Pfohlmann in Andreas Kraß' neuem Buch "Ein Herz und eine Seele" und sie lautet: Einen toten Freund, und damit einen Freund, den sie passioniert lieben dürfen, mit dem sie "ein Herz und eine Seele" werden können, frei von jedem Verdacht homosexueller Sehnsüchte. Denn so lautet Krass' These, erklärt Pfohlmann: Eine leidenschaftliche Männerfreundschaft war in der Literatur seit der Antike und teilweise bis heute nur über die Leiche eines der Freunde möglich, und zwar möglich im Sinne von akzeptabel. Der an der Humboldt Universität lehrende Professor für Mediävistik und Queer-Theory hat Pfohlmann scheinbar überzeugt und beeindruckt. Über sprachliche Qualitäten, Stil und Aufbau verrät der Rezensent allerdings nichts.

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