Die Literaturgeschichte der Meerjungfrauen reicht von den Sirenen der Antike über die Melusinen des Mittelalters bis zu den Undinen der Romantik und darüber hinaus. Sie schließt auch die Nymphen der Donau, des Rheins und der Saale mit ein. Im Laufe der Zeit wechseln die Meerjungfrauen Gestalt und Bedeutung: als Vogelfrauen sind sie Verderberinnen, als Schlangenfrauen Gebärerinnen, als Nymphen mit oder ohne Fischschwanz Verführerinnen. Ihre Geschichten erzählen von der Unmöglichkeit der Liebe, aber immer auch von den Möglichkeiten der Dichtung. Ein poetischer Streifzug in sieben Kapiteln zu Texten von Homer und Heine, Fouque und Fontane, Goethe und Grillparzer, Brentano und Bachmann, Thüring und Tieck, Vulpius und Wilde, Hans Christian Andersen und vielen anderen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2010
Thomas Meissner lobt Andreas Kraß' motivgeschichtliche Studie zu Meerjungfrauen und Nixen in der Literatur als genauso "tiefgründig" wie "leichthändig". Kraß folge in seiner Untersuchung von der Antike bis in die jüngste Zeit genauso der "Spur der Liebe", die sich durch die Nixenerzählungen zieht, wie er das Motiv auch poetologisch deute, so der Rezensent angeregt. Wenn er die Studie mitunter in der Engführung dieser beiden Aspekte nicht immer gänzlich "überzeugend" findet und sie ihm manchmal auch etwas zu theorieselig erscheint, zeigt er sich insgesamt dennoch begeistert. Nicht allein ob der Materialfülle an bekannten und unbekannten Texten, die Kraß unter die Lupe genommen hat, sondern nicht zuletzt wegen der "originellen Einsichten", die der Autor seinem Gegenstand abliest, ist ihm das Lob des Rezensenten sicher.
Als "wunderbar geglückt" empfindet Evelyn Finger diesen Versuch, Literaturgeschichte als "Kulturgeschichte der Geschlechterbeziehungen" zu schreiben. Zumal es sich hier den Informationen der Kritikerin zufolge um das erste Mal handelt, dass eine "Typologie der Wasserweiber" verfasst worden sei, die sämtliche Epochen und europäische Literaturen umfasse. Ein Schwerpunkt liege auf den antiken Ursprüngen des Undine-Motivs und den todbringenden Gesängen der Sirenen. Genüsslich sah sie aber auch männliche Angstlust vor nackten Elementargeistern ausgedeutet, und lakonisch frühe Klischeebildungen vom Weiblichen als Sinnbild der Sünde kritisiert. Andreas Kraß' Überlegungen basierten auf Texten von Homer bis Adorno, verarbeiteten aber auch Kafka oder Kant. Irritationen beim Lesen der Rezension verursacht lediglich, dass vom Autor dieses Buchs mal als Andreas und mal als Matthias Kraß die Rede ist, dass er erst als Historiker eingeführt und später als Germanist bezeichnet wird.
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