Andreas Maier

Onkel J.

Heimatkunde
Cover: Onkel J.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518421345
Gebunden, 150 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Seit seinem Debüterfolg mit dem Roman "Wäldchestag" im Jahr 2000 ist Andreas Maier häufig unterwegs, um aus seinen Romanen zu lesen. Nur, dass er in den letzten ein, zwei Jahren meist, wenn er eingeladen war, auch immer wieder schon aus dem kommenden "Onkel J." las. Jedesmal hatte er damit das Publikum im Handumdrehen auf seiner Seite. Umstandslos fand man sich angeschlossen an Maiers Welt aus Wetterau, Familie, Fußball, Apfelwein, aus Thomas Bernhard und dem Evangelium nach Matthäus, aus Ängsten, Kneipenfreuden und -nöten, eingepackt in absurde Vorkommnisse und komische Erlebnisse. Jede Kolumne beginnt mit einem "Neulich"-Satz, die erste so: "Neulich war ich in Berlin. Das wird jetzt niemand weiter ungewöhnlich finden, aber ich bin Hesse, und mir ging in Berlin ein Wunsch in Erfüllung."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2010

Samuel Moser macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber Kolumnensammlungen von Schriftstellern in Buchform, und auch wenn der Verlag im Klappentext dem vorliegenden Buch von Andreas Maier eine "zentrale Stelle" in dessen Werk einräumen will, kann der Rezensent sich nicht dafür erwärmen. Die zwischen 2005 und 2010 für die österreichische Literaturzeitschrift "Volltext" entstandenen Kolumnen drehen sich sämtlich um Maiers Heimatregion, die hessische Wetterau, aus der er sich vertrieben sieht, lässt Moser wissen. Wenn der Rezensent es auch positiv vermerkt, dass Maiers Ausführungen sich aus persönlicher Erfahrung speisen, kann er sich mit der Selbstverliebtheit, der Koketterie und der "schummelnden Vereinfachung", die die Erinnerungen und Betrachtungen dieses Texte seiner Ansicht nach auszeichnen, absolut nicht anfreunden. Und er stört sich auch nicht so sehr am Inhalt der Klagen um die verlorene Heimat, ihn nervt die bei aller Beiläufigkeit auf Effekt angelegte Konstruktion und vor allem die "hemmungslose" Ichbezogenheit der Texte, wie er deutlich macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2010

Auf eine Reise ins sumpfig-neblige Wetterau begibt sich Rezensent Helmut Böttiger mit Andreas Maier und seinen nun unter dem Titel "Onkel J." herausgegebenen Kolumnen, die zuerst in der Zeitschrift Volltext erschienen sind. Wenn der Autor sich beim Nachdenken über die heimische Landesgartenschau oder Bad Nauheimer Ortsumgehungsstraßen "in einen "Selbsterregungs- und Selbstberauschungsfuror" hineinsteigert, schlägt dem Rezensenten beinahe ein Bernhard'scher "Weltverweigerungsgestus" entgegen.
Die Betonung liegt dabei allerdings auf beinahe, denn zwischen hessischen "Wichsbüschen" und Bernhards morbidem Habsburgerreich bemerkt Böttiger eine uneverkennbare Fallhöhe. Der entgehe Maier jedoch, indem er seine Erzählungen in apfelweintrunkener Schankgaststättenatmossphäre bei Alexandraschlagern sentimental-kultig inszeniere und das Ganze dadurch aus einer ironisch-irrsinnigen Perspektive betrachte. Dabei komme dem Autor der Kolumnenstil entgegen: das absolut gesetzte Ich mache sich trotz hemmungslos erzählter Privatereignisse unangreifbar, so der erheiterte Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2010

So rabenschwarz leuchtend wie Andreas Maiers gesammelte Kolumnen dem Rezensenten erscheinen, so haltbar findet er sie. Mit simpler Heimatkunde, versichert uns Hubert Spiegel, hat das nichts zu tun, wenn Maier das Einstmals erforscht, Veränderungen refelektiert in seiner rhein-mainischen Urheimat. Eher geben die zwischen 2005 und 2010 erschienenen Texte dem Rezensenten wirtshausphilosophische, selbstironische, hyperbolische, empirische Einblicke in die Gegenwart. Eine raffinierte Gegenwarts- und Menschenkunde, freut sich Spiegel, mit Maiers Onkel (der so modernisierungsresistent ist wie der Neffe) im Zentrum.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2010

Den Autor Andreas Maier hält Rezensent Sven Hanuschek für einen der aufregendsten zur Zeit. Auch wenn Andreas Maier mit dieser Kolumnen-Sammlung kein Hauptwerk vorlegt, wie Hanuschek feststellt, so bringt die Lektüre dem Rezensenten doch neue Erkenntnisse über den Background von Maiers Erzählkosmos, über die hessische Wetterau, Maiers Onkel J, einem "Flabbes", das "schwarzbraune" Milieu. Wenn Maier sich dafür in die Pose des Heimatdichters wirft, weiß Hanuschek das als Koketterie zu deuten, als Teil einer Versuchsanordnung, die dem Leser die Chance einräumt, sich selbst lustvoll an den präsentierten Lebensentwürfen zu messen. Mit Rosegger und Gartenpiepern, meint Hanuschek, hat das nichts zu tun, eher schon mit dem Wunsch des Autors, das Verschwinden zu thematisieren. Ein Buch für viele, ahnt der Rezensent, und wartet schon gespannt auf Maiers nächsten, etwas exklusiveren Roman.

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