Katja Petrowskaja

Das Foto schaute mich an

Kolumnen
Cover: Das Foto schaute mich an
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518225356
Gebunden, 256 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Ein Bild trifft den Blick der Betrachterin und lässt sie nicht los. Das Foto einer geisterhaften Pflanze in einem Tschernobyl-Buch. Das rauchvernebelte Gesicht eines Grubenarbeiters in einer Kiewer Ausstellung. Oder ein syrisches Flüchtlingspaar bei der Landung auf Lesbos, abgedruckt in der New York Times. Woraus besteht die Gegenwart? Aus dem, was in Ausstellungen hängt, an Plakatwänden verwittert oder über die Bildschirme läuft? Wie gelingt es, den intimen Moment der Bestürzung oder des Staunens in Sprache zu verwandeln? Mit den Foto-Kolumnen, die sie 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu schreiben begann, hat die Autorin ihr eigenes Genre geschaffen: kurze Prosa, Landschaft, Biografie, Zeitgeschichte und Form auf minimalem Raum verdichtend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2022

Rezensent Anton Holzer ist von Katja Petrowskajas Band "Das Foto schaute mich an" begeistert. Darin gesammelt finden sich über die Jahre zufällig gefundene Fotografien und die Texte, die die deutsch-ukrainische Autorin seit bereits sieben Jahren für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung darüber schreibt, erklärt Holzer. Sie verbindet dafür diese unbekannten, rätselhaften und außergewöhnlichen Bilder mit eigenen Erinnerungen an die Familie und Geschichten über verschiedene Aspekte des Lebens wie Freundschaft und Verwandtschaft, aber auch Neuanfänge oder Tod, das Kriegsmotiv stets im Hintergrund, jedoch nicht, so Holzer, als Hauptmotiv. Petrowskaja gelingt es dem Rezensenten zufolge stets das Schöne in den Fotografien zu entdecken und sie historisch einzuordnen. Holzer reiht sie neben Autor*innen wie Walter Benjamin oder Susan Sontag ein in den "Horizont der großen Foto-Literatur".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2022

Rezensentin Marie Luise Knott ist fasziniert von der Vieldeutigkeit der von Katja Petrowskaja gesammelten Fotografien. Petrowskajas Prosaminiaturen zu den Bildern, eine Auswahl aus ihren FAS-Kolumnen, liefern ihr eine Kontextualisierung des jeweiligen Fotos, viel mehr aber noch anregende Assoziationen der Autorin, teils privater Natur. Ob Petrowskaja Eisbären in Königsberg betrachtet, Bergmänner im Donbass, eine Syrerin auf Lesbos oder ihre eigene Mutter am Schwarzen Meer, Knott bewundert die Schule des Sehens, zu der die Autorin einlädt, indem sie das kollektive wie das eigene Gedächtnis immer wieder in Frage stellt. Für Knott ein großer Essay übers Vergessen und Erinnern.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.05.2022

Rezensent Jörg Magenau liest gebannt Katja Petrowskajas Kolumnen zu Bildern aus Bildbänden, Ausstellungen, zu Familienfotos und LP-Covern. Was die Autorin in den Bildern sieht, das Verschweigen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl etwa auf Fotos von einem Radrennen in Kiew 1986 oder die Stille vor dem Krieg im Bild von einem Bergmann aus dem Donbass, lässt Magenau immer wieder erkennen, wie die Geschichte in die Gegenwart ragt. Das Flüchtige, Fragile erfasst die Autorin dabei mit untrüglichem Blick, so Magenau bewundernd.

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