Eigentlich ist Jutta in Tiflis, um Krankenschwestern zu unterrichten. Doch dann wird sie gebeten, sich um einen etwa fünfzehnjährigen Jungen zu kümmern, der schwer verletzt aufgegriffen wurde und jetzt im Krankenhaus liegt. Zu niemandem spricht dieser Junge ein Wort, aber Jutta gelingt es, ihm nach und nach seine Geschichte zu entlocken: Auf der Suche nach dem sagenhaften Schloss des Petersburger Mohren hat er eine lebensgefährliche Odyssee durch den Kaukasus gemacht. Bei ihren Besuchen im Krankenhaus verliebt sich Jutta in Platon, den Arzt des Jungen. Mit dem gut aussehenden Flüchtling vom Schwarzen Meer läuft sehr lange nichts, bis es dann plötzlich ernst wird - zu ernst ?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2006
Letztlich misslungen findet Rezensentin Irene Bazinger diesen Debütroman des Dramatikers und Übersetzers Andreas Marber, auch wenn sie durchaus Sympathie für das Werk erkennen lässt. Sie hält dem Autor vor, viel zu dick aufzutragen und viel zu viel hineinzupacken: Liebe und Tod, Freundschaft und Krieg, Lungenentzündung und Schwangerschaft, Vergeblichkeit und Verlorenheit, Kinderbanden in Georgien und Mitwirkende einer Theatergruppe an der Universität Konstanz. Die Verschränkung dieser entfernten Sujets wirkt auf Bazinger schlicht "brachial". Die Einbeziehung zahlreicher Kolportage-Elemente, Kuriosa, Kitsch und Trivialitäten in die chaotische Geschichte kann sie auch nicht beeindrucken. Dabei scheint ihr Marber durchaus ein "gewitzter Erzähler" zu sein, dem immer wieder "steile" Spannungsbögen gelingen, die dann allerdings meist ins Leere laufen. Ihr Resümee: "das Musterbeispiel eines überkonstruiertem Debütromans".
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