Andreas Steen

Zwischen Unterhaltung und Revolution

Grammophone, Schallplatten und die Anfänge der Musikindustrie in Shanghai 1878-1937
Cover: Zwischen Unterhaltung und Revolution
Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006
ISBN 9783447053556
Gebunden, 575 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Phonograph und Grammophon zählen zu den Erfindungen des Westens, die im ausgehenden 19. Jahrhundert den Weg nach China fanden. Ausgehend von ersten Begegnungen mit dem Medium und den ersten in China hergestellten Schallplatten zeichnet Andreas Steen den Aufbau der internationalen Schallplattenindustrie Shanghais bis zum Beginn des chinesisch-japanischen Krieges 1937 nach. Im Mittelpunkt stehen die praktische Anwendung des Gerätes, die Organisation der Musikindustrie sowie ausgewählte Tonträger unterschiedlicher Perioden. Die Schallplatte berührte nahezu alle Felder der Unterhaltungswelt im "halbkolonialen" Shanghai, überdies importierte sie eine Fülle ausländischer Musikformen. Via Pekingoper und Jazz, Revolutionslied und europäischer Klassik war sie in Rundfunk, Film, Tanzhallen und Privathaushalten präsent. Dabei war die Schallplatte ebenso ein Ort kommerziell motivierter internationaler Kooperation und Unterhaltung wie der eines aktiven Widerstands gegen die Moderne und den Imperialismus, ein Ort, dessen Zensur letztlich den besonderen Bedingungen der Stadt unterlag. Auf der Basis einer breiten Quellengrundlage folgt die Arbeit dem Aufstieg des Tonträgers in China und zeigt auf, wie der bis heute populäre Klang Shanghais seinerzeit zwischen Unterhaltung und Revolution entstand.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2007

Als überaus inspirierend und fesselnd preist Tilman Spengler die Dissertation von Andreas Steen, der darin den Vormarsch des Grammophons und der Schallplatte in China zwischen 1878 und 1937 unter die Lupe nimmt. Bis in die Fußnoten hinein gelinge es dem Sinologen, klug und enorm spannend dieses wichtige Kapitel chinesischer Kulturgeschichte zu erzählen und den Lesern plausibel zu machen, warum diese technischen Errungenschaften auch politisch von so großer Bedeutung waren, lobt der Rezensent. Glänzend sieht Spengler herausgearbeitet, woraus die Musik, die nun mit dieser Entwicklung nicht nur Altes konservieren, sondern Neues und Fremdes importieren konnte, ihre subversive Kraft in China bezog, und er findet die Studie auch dazu anregend, sich noch über den Zeitrahmen des Autors hinaus Gedanken zu machen. Wenn es mittlerweile nicht schon negativ verstanden würde, eine Studie "akademisch" zu nennen, meint der Rezensent abschließend, diese Dissertation hätte das Prädikat im besten Sinne des Wortes verdient.

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