Tobias Veitel wächst als Sohn eines Dorfgendarmen in einer Provinzstadt der beginnenden achtziger Jahre auf. Alles scheint seine Ordnung zu haben - bis eines Tages Tobias Vater mit einem Loch im Kopf auf dem Parkplatz eines Nachtclubs gefunden wird. Diese dramatische Wendung ändert auch das Leben des Achtzehnjährigen von Grund auf, wobei sich bald herausstellt, dass sein Vater nicht an dem Schuss in den Kopf, sondern im Bett seiner Geliebten an einem Herzinfarkt verstorben ist. Nach und nach offenbart sich Tobias die Wahrheit, die ihn nicht nur mit der Geliebten seines Vaters, sondern auch mit einer Rotlichtaffäre konfrontiert. Schrittweise nähert er sich so auch seinem toten Vater, dem schreibenden Dorfpolizisten, und seinen Gedichten - und damit auch dessen Sehnsüchten und Träumen. Dass er sich gleichzeitig seiner eigenen Bestimmung stellt, dem Schreiben und dem künftigen Leben als Schriftsteller, wird ihm selbst erst spät klar ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2011
Ernest Hemingway lässt grüßen, Karl-Markus Gauß grüßt freundlich zurück. Wenn der sich mit diesem Roman als Literat zurückmeldende Andreas Weber mit knappen Sätzen Provinzabgründe auslotend ein bisschen seinem großen Vorbild huldigt, freut sich der Rezensent durchaus. Einfach weil das ohne Arroganz abgeht, dafür mit kompositorischer Eleganz, mit Ernst und Witz in offenbar ausgewogenem Verhältnis. Furios erscheint Gauß schon der Einstieg in eine von einem düsteren Geheimnis bestimmte Familiengeschichte in Niederösterreich, ein rätselhafter Liebestod. Dem folgen klärende Rückblenden aus der Perspektive des Sohnes des Opfers, kühne Wendungen en masse und höchstens ein Hauch zuviel Instrumentierung, wie Gauß sein Leseglück, ein bisschen einschränkend nur, uns beschreibt.
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