Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. In Japan steht der Zweite Weltkrieg bevor: Yuji Takano führt die scheinbar sorglose Existenz eines feinsinnigen Intellektuellen in Tokio, während sich um ihn herum die Anzeichen für die Katastrophe mehren: Die japanische Nation rückt mehr und mehr nach rechts, Ausländer sind auf einmal höchst suspekt - und die, die mit ihnen Umgang haben, genauso. Yuji, der fast unfreiwillig in eine Liebesgeschichte mit der rätselhaften Tochter eines französischen Kaufmanns verstrickt ist, kann Kopf und Kragen nur dank der Beziehung zu einem faschistischen Großschriftsteller retten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.12.2010
Jörg Plath schreibt dem britischen Autor Andrew Miller eine obsessive Beschäftigung mit Katastrophen zu, in seinen Büchern beschäftigt er sich allerdings mit den Nachwirkungen derselben, stellt er klar. Auch sein jüngster Roman setzt erst nach dem furchtbaren Erdbeben im Japan der 1940er Jahre ein und etwas verwundert fragt sich der Rezensent, warum man derart gefesselt dieser sowohl räumlich als auch ansonsten so fern gerückten Darstellung folgt. Der Autor erzählt von Yuji, einem erfolglosen Tokioter Poeten, der unbedarft und aus Geldnot einen Jubeltext auf den Diktator schreibt und ein Verhältnis mit einer Französin hat, die mit dem Krieg zur Feindin wird, erfahren wir. Der Rezensent sieht in der chronologischen und auch ansonsten mitunter zur Gediegenheit neigenden Schilderung durchaus Risiken und kleinere Schwächen, etwa drohenden Kitsch. Was ihn darüber hinwegsehen lässt sind Millers stilistischen Vorzüge, die in seinen Augen virtuos "Distanz und Empathie", "Rhythmus und Anschaulichkeit" vereinen.
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