Leopold Federmair

Wandlungen des Prinzen Genji

Roman
Cover: Wandlungen des Prinzen Genji
Otto Müller Verlag, Salzburg 2014
ISBN 9783701312221
Gebunden, 300 Seiten, 22 EUR

Klappentext

Der Held dieses Romans erzählt die Geschichte einer Lektüre: Vor einiger Zeit durch Zufall in Japan gelandet, wo er seither lebt, hat er sich den etwa tausend Jahre alten Genji-Roman der Hofdame Murasaki vorgenommen. Was er liest, nötigt ihm Fragen auf: Wie ist es möglich, daß aus einer auf das Erotische und Ästhetische versessenen Gesellschaft ein kaltes, erotikfeindliches Land wurde? Wie ist es möglich, daß an die Stelle einer raffinierten, naturnahen Architektur eine Suppe von unzähligen gesichtslosen Zwecksbauten getreten ist? Wie kann es sein, daß aus der Liebe zu Kirschblüten und Mondnächten Plastikklischees geworden sind? Warum werden in diesem Land immer weniger Kinder gezeugt? Der Erzähler und Leser des Genji-Romans wird sich rasch darüber klar, daß er Antworten nicht in Büchern, sondern nur im Leben finden kann; mithilfe seiner Tochter, deren Wegen und Umwegen er neugierig folgt, sowie einer verschwiegenen Geliebten, deren Handlungsgründe ihm lange rätselhaft bleiben. Mit der Zeit gewinnt er etwas von der verlorenen Zuversicht zurück: Ist die Erotik vielleicht doch nicht ganz aus dieser Gesellschaft verschwunden? Wartet hinter den Wohnblockfassaden ein ästhetisches Land?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2015

Rezensent Gerhard Melzer verliert fast den Überblick während der Lektüre von Leopold Federmairs neuem Roman "Wandlungen des Prinzen Genji" - so reich an Ebenen ist dieses Buch. Die Deutung eines tausend Jahre alten Buches der japanischen Hofdame Murasaki Shikibu spielt hier ebenso eine große Rolle wie Federmairs informative und lehrreiche Auseinandersetzung mit Kultur, Gesellschaft und Lebensweise im Japan der Gegenwart. Dann birgt der zwischen Autobiografie, Reisebericht, Reportage und Essay mäandernde Roman auch noch eine Vater-Tochter-Geschichte und komplexe Gedanken über Wahrnehmen und Träumen, Realität und Fiktion. Geradezu kongenial erscheint es da dem Kritiker, wie der Autor dieses "hybride" Werk durch seine sinnliche und präzise Sprache zusammenhält.

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