Aus dem Englischen von Barbara Christ. Hugh Bawn liegt im Sterben. Er ruft seinen Enkel Jamie zu sich, der seine schottische Heimat längst vergessen hat und in Liverpool lebt. Jamies Reise zu seinem sterbenden Großvater wird zu einer Reise in die Vergangenheit, und die Konfrontation mit der eigenen Geschichte, die auch die Geschichte seines Landes ist, erschüttert ihn. Die Landschaften, ein nächtlicher Besuch mit Hugh im Geburtsort des schottischen Nationaldichters Robert Burns, die Erinnerung an dessen Lieder, Balladen und Gedichte - all das zeigt Jamie, dass seine Wurzeln nicht nur in der Geschichte seiner Familie zu suchen sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2000
Die eigene Kindheit und Jugend samt der von Vater und Großvater von allen schottisch-typischen Mythologemen zu befreien, das ist spätestens seit den achtziger Jahren für die schottische Gegenwartsliteratur ein wichtiger Moment von Identitätssuche - sichtbar übrigens auch im englischen Originaltitel ?Our Fathers? - ,der sich der junge Autor Andrew O?Hagan gestellt hat. Der Rezensent Jörg Häntzschel geht auf diesen wichtigen Kontext leider nicht ein, sondern beschreibt das Verfahren des Autors sogar als ?nicht sehr zeitgemäß?. Aber das hindert ihn nicht daran, den Autor aufmerksam auf seine Reise in die Vergangenheit des schottischen Proletariats und ihres sozialistischen Utopismus zu begleiten, die der Autor in den letzten Tagen des sterbenden Großvaters angetreten hat. Der Großvater war ein Macher, der die Armen von Glasgow aus den Slums heraus und in billig und schnell hochgezogene Hochhäuser hinein brachte, der Vater ein gewalttätiger Alkoholiker; der Sohn, Enkel und Hauptprotagonist des Romans ist Abrissexperte, der die marode gewordenen Hochhäuser der Sechziger wieder sprengt. Kritisch geht Häntzschel mit der ihn anfangs begeisternden, dann, wie er findet, durch Reflexion sich abflachenden Sprache des Romans und seinem allzu ?harmonieseligen Finale? ins Gericht und schimpft über ?konfektionierte Innerlichkeitsprosa?. Aber zwischendrin scheint er sich auf das Buch doch auch ganz gerne eingelassen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.04.2000
Prächtig losgeschwommen und dann abgesoffen, könnte man das Fazit des Rezensenten Friedhelm Rathjen umschreiben. Rathjen lobt ausdrücklich O`Hagans Eingangskapitel, in dem der schottische Autor die Kindheit seines Helden aus einer raffinierten Perspektive schildere, in der sich die Erinnerungen - vor allem an Bücher - in dem wirklichen Geschehen spiegele. Diese "Brechungen" machten aus dem Eingangskapitel ein "stilles Juwel der Erzählkunst". Dann geht es allerdings rapide bergab. Im zweiten Teil referiere der erwachsene Held nur noch "auf pamphlethafte Weise" die Familiengeschichte. Platitüden und "analytisches Tiefschürfertum", schimpft Rathjen, "zerreiben gänzlich" O`Hagans zweifellos vorhandene Erzählkunst.
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