Aus dem Englischen von Esther Kinsky. Mit Nachworten von Esther Kinsky und Iain Galbraith. Erzählt wird die Geschichte von Chris Guthrie, die unter ihrem strengen Vater leidet. Sie darf das College besuchen, bis die Mutter stirbt und Chris auf den Hof zurückkehren muss. Nach dem plötzlichen Tod auch des Vaters führt Chris jedoch nicht ihr Studium weiter fort, sondern verschreibt sich ganz dem kleinen elterlichen Anwesen am Fuße der rauen Mearns. Ihr Leben bleibt geprägt vom Konflikt zwischen der "englischen Chris" der Bildung und der "Kinraddier Chris" mit ihrer Liebe zur regionalen Sprache und Landschaft. Das belastet auch die junge Ehe mit dem Landarbeiter Ewan, bis der Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Leben der ganzen Gemeinschaft unwiderruflich verändert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2018
Rezensent Hans-Peter Kunisch versteht, warum Lewis Grassic Gibbons "Lied vom Abendrot" in Schottland als moderner Klassiker gilt: Die Geschichte um die Bauerntochter Chris Guthrie, die sich selbst in eine englische und eine schottische Chris gespalten sieht und ihre Umwelt im Ersten Weltkrieg als ebenso geteilt erfährt, spiegelt in seinen Augen die widersprüchlichen Gefühle der heutigen Schotten gegenüber England wider. Darüber hinaus glänzt der Roman laut Kunisch aber vor allem mit seiner poetischen Sprache und einer authentischen Mischung aus Schottisch und Englisch. Seiner Meinung nach hat Übersetzerin Esther Kinsky mit den Einflüssen aus verschiedenen Dialekten, die sie in ihr Hochdeutsch mischt, um den Ton des Originals einzufangen, teilweise "seltsame Kreuzungen" geschaffen, dafür gefällt dem Rezensenten aber umso besser, dass sie die rhythmische Sprache beibehalten hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.06.2018
Sylvia Staude ist allein schon von Lewis Grassic Gibbons Klassiker begeistert, der zwar außerhalb Schottlands so gut wie unbekannt blieb, aber in den Highlands selbst immer wieder zum beliebtesten Roman aller Zeiten gekürt wird. Die tragikomische Geschichte um die emanzipierte Chris, die es trotz aller Klugheit und Tatkraft nicht schafft, aus ihrem heimatlichen Dorf Kinraddie zu entkommen, nennt Staude zwar einen Heimatroman, aber einen, der Heimat in der Sprache verorte. Und da kommt die Übersetzerin ins Spiel: Was Esther Kinsky hier leistet, indem sie das Schottische in ein leicht abgewandeltes, aber "lebenspralles" Plattdeutsch ummodelt, das haut die Rezensentin vom Hocker. Von Wörtern wie "brattsch und dallerig, figelinsch, schmiedlich und staatsch" kann sie gar nicht genug bekommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2018
Rezensentin Anja Hirsch lobt Esther Kinskys frisch und kraftvoll klingende Neuübertragung des ersten Teils von Lewis Grassic Gibbons Epos u.a. wegen der Idee, schottische Umgangssprache ins Plattdeutsche zu übersetzen. Für sie hat das einen "textmotorisierenden" Effekt und berührt ihr "Sprachlustzentrum". Das "Lieblingsbuch der Schotten" 2016 ist für Hirsch viel mehr als eine folkloristische Bauernschmonzette und besticht laut Rezensentin durch starke Bilder, eine wendige Stimme sowie den selbstironischen Umgang mit der Tradition kitschiger englischer Romanliteratur und eine der eigensinnigsten Heldinnen der Literaturwelt.
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