Aus dem Englischen von Esther Kinsky. James Leslie Mitchell (1901-1935) schrieb immer wieder über seine Heimat Schottland, insbesondere die Gegend um Aberdeen. Auch wenn seine Romane und journalistischen Arbeiten oft nach Afrika und in den Nahen und Fernen Osten führen, die er als Verwaltungsangestellter beim Militär kennengelernt hatte, kehrt er in seinen bedeutendsten Texten doch zurück in den rauen Norden Großbritanniens. In "Szenen aus Schottland", einer Sammlung von Erzählungen und essayistischer Prosa zum schottischen Leben in den frühen 1930er Jahren, ist seine literarische Kunst in komprimierter Form zu entdecken. Menschen, Gespräche, Landstriche, Jahreszeiten, Historie und Mythen werden in einer Sprache geschildert, die - sanft und poetisch wie auch schroff und klar - mit all ihren regionalen Eigenheiten der schottischen Landschaft selbst zu entsprechen scheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2017
Hinter dem drögen Titel "Szenen aus Schottland" verbirgt sich ein wahrer Schatz, versichert Rezensent Paul Ingendaay. Denn dieses schmale Buch gewährt Einblick in die ganze Kunst des 1901 in Schottland geborenen Journalisten und Schriftstellers James Leslie Mitchell, fährt der Kritiker fort. Allein die vier Erzählungen über das schottische Landleben, die Armut, Arbeit und Brutalität der Lebensbedingungen schildern, erscheinen dem Rezensenten ebenso schonungslos wie "kraftvoll". Die in diesem Band ebenfalls enthaltenen sozial ambitionierten Essays findet Ingendaay zwar nicht ganz so stark, dennoch edel, "sympathisch" und herrlich selbstironisch. Großes Lob auch für Esther Kinsky, die nicht nur ein lesenswertes Nachwort beigesteuert hat, sondern mit ihrer "schmutzigen Poesie" auch erheblich zur Wirkung der Texte beiträgt, meint der Kritiker. Gut gemachte "Bauernliteratur", nennt er das.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2016
Rezensent Christoph Schröder findet in den nachgelassenen Erzählungen des 1901 geborenen Schotten James Leslie Mitchell ein ungeschöntes, von keinerlei Nationalismen geprägtes Bild einer kargen, erbarmungslosen Landschaft. Mitchells Bauer, der über die Sorge um den Acker die eigene Frau vergisst, rührt Schröder ebenso wie die Städteporträts von Aberdeen und Glasgow. Und immer leuchten ihm Mitchells bittere Pointen, sein stets offener und differenzierter poetischer Realismus und bei allem ein Gefühl des Autors für utopische Potenziale. Vor allem aber beeindruckt Schröder das in den Texten sich offenbarende Interesse des Autors am Menschen. Mitchells Charakterstudien, meint er, zeigen keine Typen, sondern Individuen zwischen Schönheit und Grausamkeit, Leid und Trost.
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