Klappentext
Aus dem Lettischen von Sven Otto. Oskars, der stille Held dieses Romans, ist ein wenig eigenartig. Oft folgen seine Gedankengänge einer naiven, kindlichen Logik; gleichzeitig verfügt er über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis: Sämtliche Namenstage kennt er auswendig. Deshalb wird er "Kalender" genannt. Im Buch erzählt der Protagonist Tag für Tag von den Ereignissen seines Lebens. Dank seiner eigenwilligen Sicht auf die Dinge gewinnt Oskars einen besonderen Zugang zu Kindern, Alten und AußenseiterInnen. Im Laufe eines Kalenderjahres entwickelt sich der autistisch wirkende, jung gebliebene Mann zum Mittelpunkt eines skurrilen Freundeskreises - und es gelingt ihm, seine besondere Weltsicht langsam in Worte zu fassen und seinen eigenen Weg zu gehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2026
Rezensentin Judith Leister scheint sich in diesem Buch wohl zu fühlen. Andris Kalnozols erzählt darin von Oskars, einem von seiner Umgebung belächelten Mann, der sich vermutlich auf dem autistischen Spektrum befindet. Oskars führt ein Tagebuch, in dem er unter anderem notiert, dass er sich verliebt hat. Es ist jedoch nicht das Objekt seiner Liebe, das sein Leben verändert, sondern die "Begegnung mit der schnurrbärtigen Janina", einer 95-Jährigen, die sein soziales Gewissen erwachen lässt und ihn außerdem zum Theaterregisseur werden lässt. Kalnozols hat nicht nur einen humanistisch-hoffnungsvollen Roman geschrieben, sondern auch ein großes Außenseiterporträt unter anderem in der Nachfolge der Grass'schen "Blechtrommel", so das positive Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.01.2026
Andris Kalnozols' Protagonist Oskars hat stark autistische Züge: Er wird von den Bewohnern seines Städtchens immer "Kalender" genannt, weil er Kalender und Namenstage auswendig kann. Um seine Psyche etwas zu beruhigen, notiert er jeden Tag in einem Tagesplaner, was so passiert ist. Seit er sich vor einiger Zeit verliebt hat, ist der Drang, sich an die selbstauferlegten Regeln zu halten, umso größer, er wandert Tag für Tag durch die Gegend, eine Art "postsowjetische Stadtlandschaft", lernt neue Leute kennen, dem Alten wird bei jedem Spaziergang etwas Neues hinzugefügt, erzählt Rezensentin Bettina Hartz, die den Roman sehr gerne gelesen hat: einmal wegen der Idee mit dem Tagesplaner, der den Raum für die Kritikerin bis weit in die Sowjetunion hinein öffnet, weil Oskars oft auch die Vorgeschichten von Personen, auf die er trifft, einfügt. Und zum anderen, weil seine einfache Sprache oft so "wunderbar doppeldeutig" ist. Überhaupt scheint der eigenbrötlerische Oskars der Rezensentin im Laufe der Lektüre immer mehr ans Herz zu wachsen, denn auch er ändert sich, hin zum "Herzenskünstler", wie Hartz schreibt. Darüber vergisst sie aber nicht die "geniale Gesamtkomposition" des Romans. Und Oskars, der am Ende neue Freunde gefunden hat, würde sie gerne weiter begleiten.