Psychoanalytische Theoriengeschichte. Ausgehend von den zentralen Fragestellungen im Werk der französischen Psychoanalytikerin Chasseguet-Smirgel rekonstruiert die Autorin die historisch-ideengeschichtliche Entwicklung dieses Ansatzes. Dabei offenbart sich in der Entgegensetzung von regressiver gegenüber reifer psychischer Entwicklung die dichotome Grundstruktur dieser Theorie, die sich auf die Wahrnehmung und Interpretation aller individuellen wie gesellschaftlich-kulturellen Phänomene überträgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.03.2002
Sicher, Chasseguet-Smirgel stehe nicht mehr im Zentrum aktueller Debatten, für das Verständnis der einstigen Resonanz ihres Werks aber, erklärt Falk Stakelbeck, biete diese ideengeschichtliche Untersuchung "einige erstaunliche Ansätze". Weniger auf die von der Autorin gebotene Erkenntnis über das, verglichen mit der thematischen Vielfalt, schmale Angebot an Erklärungsansätzen bei Chasseguet-Smirgel, spielt Stakelbeck hier an ("alles richtig, aber nicht völlig unbekannt"), als vielmehr auf den Hinweis auf eine Antisemitismustheorie im Werk der Theoretikerin. Das sei nun tatsächlich verblüffend, findet Stakelbeck, insofern nämlich als das dichotomische Weltbild Chasseguet-Smirgels (aus väterlichen und mütterlichen Imagines) mit einem solchen "bisher verborgenen Fluchtpunkt ihres Werkes" eine "historisch geradezu unheimliche Dimension" erhalte. Diese aber habe in Deutschland "so kenntnisreich" bisher niemand angesprochen.
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