Als Teil der interdisziplinären Erforschung des kulturellen Gedächtnisses untersucht die Autorin Erinnerungsprozesse von Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytikern, die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden. Mithilfe von Fragebögen sammelt sie die Erinnerungen von 200 "Kriegskindern" an ihr Aufwachsen im Nationalsozialismus. Ein unerwartetes Ergebnis ihrer Studie ist, dass 60 Prozent der Befragten traumatische Erlebnisse angeben. Es gibt signifikante Alters- und Geschlechtsunterschiede und die eigene Psychoanalyse war bei der Verarbeitung dieser Kindheit unterschiedlich nützlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2012
Tief berührt angesichts der Kriegserinnerungen von Psychoanalytikern, die Gertraud Schlesinger-Kipp in ihrer Dissertation aufgezeichnet hat, zeigt sich Ingo Focke in seiner Rezension. Dass sich Experten der Erinnerung der Befragung zu ihren Erfahrungen mit Krieg und Leid unterziehen, findet Focke schon mal einzigartig. Der von der Autorin verfolgte analytische Ansatz der Interviews jedoch, der die Interviewerin mit einbezieht, führt zu einer Unmittelbarkeit der Gesprächssituation, die es Focke ermöglichen, auch Unsagbares zu erspüren, Bilder des Schreckens zu sehen und sie auf die eigene Geschichte zu beziehen. In der Auswertung zeigt sich der Band für ihn auf doppelte Weise ertragreich: als wissenschaftliche Datenerhebung und in seinen Überlegungen zur Verarbeitung traumatischer Erlebnisse und zur Erinnerungserforschung.
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