An gegenwärtigen Konfliktlinien in Politik und Gesellschaft entzünden sich immer wieder psychoanalytische Fragen nach dem destruktiven Charakter des Subjekts. Peter Widmer beleuchtet die doppelte Seite dieser Destruktivität: ihr Potenzial, die Illusion eines mächtigen Ichs zu erzeugen, aus dem - wenn es bedroht wird - eine enorme zerstörerische Kraft hervorgeht. Ihr Ursprung ist weit davon entfernt, nur gesellschaftlicher, biologischer oder sexueller Art zu sein; in Sprache und Subjektivität erlebt sich der Mensch als fraglich und isoliert, ringt um die Anerkennung der Gemeinschaft. Widmers psychoanalytische, philosophische und politische Reflexion zeichnet ebenso Auswege auf: Der Spirale des Zerstörerischen zu entkommen heißt, es zu bejahen und zu artikulieren - und nicht, sich an das Ideal einer hassfreien Gesellschaft zu klammern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2021
Was es mit dem Bösen wirklich auf sich hat, erfährt Urs Hafner vom Psychoanalytiker Peter Widmer. Zwar fordern ihn Widmers Freud- und Lacan-Exegesen mit exklusivem Vokabular, doch was der Autor über den Ausbruch von Aggressionen etwa bei einem Vierfachmörder aus Rupperswil schreibt, scheint Hafner schlicht genial. Dass der Autor nie forensisch ultimativ urteilt, sondern dialektisch vorgeht, das Böse im Guten entdeckt, den Täter im Opfer, findet Hafner zudem angenehm.
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