Der Denunziant gilt einerseits als Unperson, der den Verrat im Alltag übt. Auf der anderen Seite baut jede Gesellschaft auf eine Anzeigepflicht des Bürgers etwa mit Blick auf Kapitalverbrechen. Die Grenzen können oft unklar sein und verschwimmen. Für Forscher wirft die Beschäftigung mit diesem Thema vor allem Fragen nach den Motiven des Denunzianten, nach den Systembedingungen, die der Denunziation förderlich waren und nach dem Umgang mit der Denunziation in der jeweiligen Gesellschaft auf. Dieser Band führt verschiedene Beiträge zur Denunziationsforschung zusammen, die sich dem Gegenstand aus unterschiedlicher Perspektive nähern und verschiedene Epochen betrachten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2015
Henning Köhler überzeugt der von Anita Krätzner herausgegebene Band zum Thema Denunziationsforschung vor allem von einem: Diese Disziplin hat keine Perspektive. Dass es sinnvoll sein kann, Denunziation im Einzelfall forschend nachzugehen, möchte der Rezensent nicht bezweifeln, Systematisierungen, meint er, führen in diesem Fall jedoch in die Irre. Zu wenig aufschlussreich die Quellen, findet Köhler, zu speziell im Fall der DDR die Situation, als dass verallgemeinernde Schlüsse gezogen werden könnten.
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