Gewisse TV-Formate suchen Ihresgleichen. Zum Beispiel Live-Übertragungen aus dem australischen Dschungel oder aus Wohncontainern mit Z-Promi-Protagonisten scharenweise. Oder die Akquise von Topmodels und Superstars, die gar nicht erst aus der Versenkung auftauchen, in der sie bald wieder verschwinden. Hier zählt nicht das Ergebnis, sondern der Weg. Er ist das Ziel. Über Staffeln hinweg gesuchte Schwiegertöchter, getauschte Frauen, Bauernbräute und Mega-Junggesellen (neudeutsch "Bachelor") beglücken den geneigten Zuschauer mit einer Mischung aus Überlegenheitsgefühl und Fremdschämen. Gesehen haben will all das keiner, Bescheid weiß jeder. Besonders Anja Rützel, die einen Blick hinter die Fassaden wirft, hinter die solcher Fernsehformate und hinter die ihrer Betrachter.
Trash-TV steigert die Medienkompetenz, jedenfalls wenn man Anja Rützel, bzw. der feministischen Medienkritikerin Jennifer L. Pozner glaubt, deren Thesen sich die Autorin in "Trash-TV" anschließt, erklärt Rezensent Jens Mayer, nicht ohne sich dabei, man liest es heraus, mit dem Finger an die Stirn zu tippen. Für ihr Buch in der Reclam-Reihe "100 Seiten", die aktuellen und relevanten Themen der Gesellschaft gewidmet ist, beschäftigt sich Rützel, Kulturwissenschaftlerin und Spiegel Online Autorin, mit dem Medienphänomen des Trash-TV. Dabei finden neben den wichtigsten Punkten in diesem Zusammenhang und einer Menge Beispielen sogar ein wenig Kritik an den oft reaktionären Rollen- und Gesellschaftsbildern der einschlägigen Sendungen Platz. Am Ende ist es allerdings das "Es ist Mist, aber ich mag´s" -Motto, was überwiegt und den Rezensenten ratlos bis befremdet zurücklässt.
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