Sieht aus wie Kino, ist aber Fernsehen: Sie heißen Walter White, Tony Soprano und Don Draper und sind die Helden einer neuen Ära der TV-Unterhaltung. Im letzten Jahrzehnt haben Serien wie "Breaking Bad", "Die Sopranos" oder "Mad Men" Fernsehen auf ein bis dato unbekanntes Qualitätsniveau gehoben und dem Kinofilm seinen traditionellen Rang als Speerspitze der Populärkultur abgelaufen. US-Sender wie HBO, AMC und ABC erzählen mit ihren millionenteuren Produktionen die großen Epen unserer Zeit, fein gesponnene Fabeln und Dramen von antiker Größe. Gleichzeitig machen die Verfügbarkeit der Serien auf DVD und das Internet mit seinen Streaming-Angeboten und Filesharing-Netzwerken die Fans unabhängig von Sendezeiten und verändern das Rezeptionsverhalten der Zuschauer grundlegend. Um die neuen High-End-Serien ist eine weltweite Fan-Community entstanden, in der die narrativen Strukturen und einzelne Folgen und Szenen intensiv studiert und diskutiert werden.
Jan Küveler nimmt den mehr als 700-seitigen Prachtband über die besten TV-Serien - vom Sendestart der "Simpsons" bis in die Gegenwart - vor allem zum Anlass für eigene Überlegungen. Das opulente Werk des Kunsthistorikers Jürgen Müller mit Beiträgen von 30 deutschen Autoren und Filmwissenschaftlern und einem laut Küveler "erhellenden" Vorwort lässt den Rezensenten eingehend und kenntnisreich über das Verhältnis von Fernsehserien zur Literatur schwadronieren. Dabei zeigt er sich genervt von der oft formulierten These, das TV-Format löse den Roman ab. Stattdessen weist der Kritiker drauf hin, viele Serien würden selbst auf literarischen Vorlagen beruhen, hinter den Drehbüchern oft Schriftsteller oder Journalisten stecken. Auch das sich verändernde TV-Publikum ist Gegenstand seiner Überlegungen. Nicht immer ist dabei eindeutig zu erkennen, wo Küveler sich auf Müller bezieht und wo er eigene Gedanken entwickelt.
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