Als 1989 die Mauer fällt, entdecken Künstler, Punks, Anarchos, Hausbesetzer, Visionäre und Spinner das Niemandsland, die nun nahezu gesetzlose Zone inmitten Berlins. Es entstanden Clubs, Bars, Technopartys, Galerien, Aufstände, Ausstellungen - das Tacheles und der Schokoladen. All dies wurde zum Magnet für junge Leute aus der ganzen Welt. Zwischen bröckelnden Altbaufassaden wurden Freiräume gelebt, entwickelte sich ungezügelte Kreativität und ein neues Lebensgefühl. So fern diese wilden Jahre wirken, so sehr spürt man doch, wie sie Berlin zu dem gemacht haben, was es heute ist. In mehr als 200 Fotografien lässt "Berlin Wonderland" diese einmalige Zeit von Aufbruch, Widerstand und Neuordnung wieder aufleben. In Interviews und Zitaten kommen Protagonisten jener Zeit zu Wort und lassen die Subkultur der Berliner Mitte wieder lebendig werden.
Lange hat Ulrich Gutmair auf einen Fotoband wie "Berlin Wonderland" gewartet, gibt der Rezensent zu, denn so entscheidend die Kulturbesetzerszene Berlins Anfang der Neunziger für die "kulturelle Wiederbelebung der Stadt" war, so wenig ist sie im kollektiven Bildgedächtnis angekommen. Gutmair bedankt sich also herzlich bei Anke Fesel und Chris Keller von der Fotoagentur BobsAirport, die diese Lücke mit ihrem Band geschlossen haben, in dem sie zahlreiche Fotos von Tacheles, IM Eimer, Schokoladen und Synlabor versammelt haben. Die Bilder stammen von Ben de Biel, Hendrik Rauch, Philipp von Recklinghausen, Stefan Schilling, Hilmar Schmundt, Andreas Trogisch und Rolf Zöllner, verrät Gutmair noch.
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