Die niederländische Autorin Anna Enquist, hauptberuflich als Psychoanalytikerin tätig, hat mit "Die Eisträger" einen "verhaltenspsychologisch motivierten" Roman geschrieben, meint Rezensent Martin Krumbholz. Früher waren "Eisträger" Arbeiter, die Eisblöcke aus den Pyrenäen in die Paläste trugen, bei Anna Enquist sind es Menschen, die ihre Gefühle unter einer dicken Schicht Kälte verborgen haben. Nach Krumbholz interessiert sich Anna Enquist in erster Linie für "das Modell des Schweigens" in der Ehe von Loes und Nico. Einst waren sie eine "perfekte, eisige Familie", zitiert der Rezensent, nach dem Verlust ihrer Tochter sind sie zwar weniger perfekt, jedoch genauso vereist im Umgang miteinander. Weder trösten sie sich noch machen sie für das Verschwinden der Tochter gegenseitig verantwortlich. "Inhaltlich und formal" hält Krumbholz den Roman für durchaus ausgewogen. Enquist wechsele die Erzählperspektiven "fairerweise", trotzdem bleibe der "Blick" auf die Protagonisten "erstaunlich kühl". Das Buch ist ein "eisiger und perfekter" Roman, der unaufhaltsam seinem "katastrophalen Schluss" entgegenschnurrt, rezensiert ein verhaltener Martin Krumbholz.
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