Wie lebten Frauen in der DDR? Im Rückblick erscheinen sie oft wie "siebenarmige Göttinnen", die es offenbar spielend schafften,
Berufstätigkeit, Mutterschaft und Emanzipation unter einen Hut zu
bringen und bei alldem fröhlich durchs Leben zu gehen. Ihnen standen
viele Wege offen, da, so die offizielle Lesart, der Staat vorbildlich
für "seine Frauen" sorgte. Frauen in der DDR waren aber zugleich
zwischen all ihren Rollen zerrissen - wie die Heldinnen aus den
Erzählungen von Brigitte Reimann oder Maxie Wander, die sich gegen die
ihnen gesetzten Grenzen auflehnten, und oftmals scheiterten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2017
Joachim Scholtyseck sieht von Anna Kaminskys Untersuchung das Märchen von der emanzipierten Frau in der DDR systematisch widerlegt. Dass Gleichberechtigung unter der SED-Diktatur vor allem bedeutete zu schuften wie ein Mann, erfährt er aus Kaminskys "vorzüglicher" Geschichte der Frauen in der DDR. Als Arbeitskräfte für die Sanierung der maroden Volkswirtschaft waren die Frauen gut, lernt er. Ansonsten aber verharrte die SED in patriarchalischer Haltung, erklärt ihm die Autorin. Und wenn die DDR Frauen auch eine fortschrittlichere Arbeits- und Familienpolitik zugestand, wie etwa auch einen legalen Schwangerschaftsabbruch, so enthielt sie ihnen doch die Beratung über die Konsequenzen ebenso vor wie den elektrifizierten Haushalt nach westlichem Vorbild, weiß Scholtyseck jetzt.
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