Im Herbst 1989 verlor die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die Staatspartei der DDR, nicht nur ihre Macht. Mit den gleichzeitig einsetzenden Massenaustritten vollzog sich auch ihr innerer Zerfall. Jene, die jahrzehntelang an ihren Arbeitsstätten und in ihrer Nachbarschaft im Namen der SED wirkten, verließen nun in Scharen die Partei oder schlossen sich sogar den Demonstrationen an.
Sabine Pannen untersucht erstmals systematisch das Innenleben der SED-Basis von den späten 1970er-Jahren bis zu ihrem Zerfall im Dezember 1989, indem sie die Parteimitglieder im Stahlwerk in Brandenburg an der Havel in den Fokus rückt. Der Loyalitätsverlust im Herbst 1989 war nicht allein die zwangsläufige Reaktion einer überwiegend opportunistischen Mitgliederschaft, sondern Endpunkt einer langen Geschichte des inneren Rückzugs, die in den 1970er-Jahren eingesetzt und sich im Laufe der 1980er-Jahre zugespitzt hatte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2018
Rezensentin Daniela Münkel schiebt die Redundanzen beiseite, die ihr die Lektüre von Sabine Pannens Dissertation mitunter erschweren und spricht der Autorin großes Lob aus für ihre anschauliche und analytisch überzeugende Darstellung der Erosion der SED Herbst 1989. Nicht nur füllt die Autorin damit laut Münkel eine Lücke in der DDR-Forschung, die gewählte Langzeitperspektive auf die Parteibasis und Pannens mikro- wie makroperspektivischer Blick machen Bindungsverluste und schleichende Entpolitisierung der Mitglieder für Münkel deutlich. Dass die von der Autorin gewählten Ausschnitte und Interviewpartner nicht immer repräsentativ sind, stellt Münkel zwar kritisch fest, erliegt jedoch dem Charme auf die Art erzeugter Atmosphäre im Buch.
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