Als Irmgard Weinhofen einen Niederländer heiratete und nach Amsterdam zog, bedeuteten Brigitte Reimann ihre lebendigen Berichte einen Blick in jene Welt, die ihr nicht zugänglich war. Wie die Freundin sich in den fernen Niederlanden durchschlug, verfolgte sie mit Bewunderung und der Neugierde der Autorin, die einen Romanstoff witterte. Sie selbst schrieb ihr oft ausführlicher über Privates, Klatsch, Kulturpolitik und Manuskripte, als sie das bei anderen Briefpartnern oder in ihren Tagebüchern tat. Mal übermütig, mal verzweifelt, mal verschwörerisch - diese Briefe dokumentieren die Freundschaft zweier temperamentvoller, begeisterungsfähiger, leidenschaftlicher Frauen über Ländergrenzen hinweg.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2003
Über fast zwanzig Jahre erstreckt sich der Briefwechsel der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann mit ihrer Jugendfreundin Irmgard Weinhofen, die 1963 ihrem Mann nach Amsterdam folgen konnte. Beide verband der Traum von einem wahren, gerechten Sozialismus, wie Rolf Michaelis darstellt, doch Reimann war den Kulturfunktionären zeit ihres Lebens als "bürgerliches Element" suspekt. Für den Rezensenten macht es gerade den Rang dieser Korrespondenz aus, dass mit Reimann eine kritische Sozialistin eine "gnadenlos ehrliche Innenansicht der DDR" entwirft, etwa wenn sie das Diktum der Parteikultur, dass es im Sozialismus keine Tragik mehr gebe, mit den Worten kommentiert: "Als ob nicht immer noch die Möglichkeit bestünde, dass es ein unerfülltes Leben gibt!" Ob Reimann ein große Autorin gewesen ist, mag Michaelis nicht beantworten, der Briefwechsel zeige aber, dass sie aber jeden Fall eine wichtige war.
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