Anna Mitgutsch

Die Annäherung

Roman
Cover: Die Annäherung
Luchterhand Literaturverlag, München 2016
ISBN 9783630874708
Gebunden, 448 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Als er wegen eines Schwächeanfalls in ein Krankenhaus eingeliefert wird, spürt Theo, dass er am Ende seines Lebens angekommen ist: Er ist alt und fortan pflegebedürftig, was ihn eine Ohnmacht und Hilflosigkeit spüren lässt, die er bisher nicht kannte. Er zieht Bilanz, ist in Gedanken oft bei seiner früh verstorbenen ersten Frau, deren Sterben er erst jetzt richtig begreift, und er erinnert sich an nicht mehr gut zu machende Versäumnisse, während ihm die Gegenwart und die bisher glückliche Ehe mit Berta aus dem Gleichgewicht geraten. Aber auch dieses letzte Lebensjahr bringt noch einmal Glück und einen Neuanfang durch die junge ukrainische Pflegerin Ludmila, die sein Herz erreicht, wie weder Berta noch seine seit Jahrzehnten entfremdete Tochter Frieda es vermögen. Ludmila wird zu Theos letzter Liebe, sie wird ihm zur Tochter, wie Frieda es nie war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2016

Ganz eindeutig fällt Martin Lhotzkys Urteil über Anna Mitgutschs neunten Roman "Die Annäherung" nicht aus. Wie die österreichische Autorin langsam, in wechselnden Erzählperspektiven von der Annäherung zwischen Frieda und ihrem Vater Theo erzählt, der von seiner zweiten Frau Berta von der Außenwelt isoliert wird, bis er sich im hohen Alter widersetzt, gefällt dem Kritiker gut. Dass einmal mehr das Schweigen der Kriegsgeneration über ihr Verhalten während des Nationalsozialismus thematisiert wird, erscheint Lhotzky hingegen wenig "originell". Dass der Roman nicht ganz in Fahrt kommen will, kann der Rezensent angesichts einiger sehr bewegender Szenen verzeihen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2016

Karl-Markus Gauß schätzt Anna Mitgutsch nicht nur für die virtuose Beherrschung literarischer Mittel, sondern auch für ihren couragierten Umgang mit gewichtigen Themen. Ihr neuer Roman "Die Annäherung" übertrifft die Vorgänger aber noch, versichert der Kritiker, der hier die klug komponierte, politische Familiengeschichte um eine pensionierte Lehrerin liest, die sich kurz vor dem Tod ihres 96-jährigen Vaters nicht nur Klarheit über seine NS-Vergangenheit, sondern auch Annäherung erhofft. Großartig, wie die Autorin die Perspektive der Tochter mit einer auktorialen Perspektive kombiniert, ihre Figuren - auch die exzellent gezeichneten Nebenfiguren - ohne moralisches Urteil, aber mit viel Mitgefühl ausleuchtet und neben dem ergreifenden Drama zweier Personen verschiedene Erzählstränge von der österreichischen Provinz bis in die Ukraine einflicht, urteilt der eingenommene Kritiker.
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