Anna-Verena Nosthoff

Kybernetik und Kritik

Eine Theorie digitaler Regierungskunst
Cover: Kybernetik und Kritik
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518300794
Kartoniert, 800 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Elon Musk bezeichnet die Plattform X als "kybernetische Superintelligenz", Mark Zuckerberg denkt Unternehmen als "lernende Organismen", und der Erfinder der Datenbrille Google Glass sagt: "Die Kybernetik ist überall, wie Luft." Diese Aussagen kommen nicht von ungefähr. Wer die Digitalisierung verstehen will, muss auf ihre kybernetischen Ursprünge schauen. In ihrem Buch zeichnet Anna-Verena Nosthoff ein umfassendes Panorama der Kybernetisierung der datafizierten Gegenwartsgesellschaft - von den ersten Prämissen der "Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle" über die Emergenz des Cyberspace bis hin zum aktuellen KI-Hype und zu technikautoritären Strömungen. Es zeigt sich: Die Kybernetisierung erfasst auch die Kritik - die sich daher neu erfinden muss, um zu überleben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.04.2026

Interessantes zu Geschichte und zukünftigen Möglichkeiten der Kybernetik findet Rezensent Fabian Ebeling in Anna-Verena Nosthoffs Dissertation vor, bleibt dabei aber weitgehend neutral-wiedergebend. Die Oldenburger Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung gehe hier der Entstehung der Kybernetik zu Mitte des 20. Jahrhunderts nach und zeige dabei auf, wie wichtig die Denkschule auch heute noch für Diskurse rund um KI, eine Technisierung der Gesellschaft und Machtkonzentration ist. Diskursanalytisch beleuchte Nosthoff dabei auch, wie Vertreter der Denkschule zur zunehmenden "Unsichtbarkeit" der Kybernetik beitrugen, etwa durch die verdeckte Arbeit für das MIT im Fall von Alex Pentland, dem Erfinder von Google Glass, liest Ebeling. Vor allem betont der Kritiker auch den Fokus der Autorin auf die Rolle, die die Kybernetik, wie schon früh antizipiert, für eine menschenlose, sich nur aus digitalen Feedbackschleifen speisende Regierung spielen könnte. Auch auf die Gefahren weise Nosthoff hier treffenderweise hin: So könnte in diesem Modell eines "algorithmisch antizipierenden Staates" etwa auch Kritik im Keim erstickt werden, bevor sie überhaupt geäußert wird, gibt Ebeling wieder.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2026

Ein lesenswertes Buch über die Herausforderungen, vor die die Digitalisierung die Gesellschaft stellt, hat Anna-Verena Nosthoff Rezensentin Hannah Schmidt-Ott zufolge geschrieben. Nosthoff arbeitet sich in erster Linie an der Geschichte der Kybernetik ab, also an Theorien der Selbststeuerung von Systemen, die eigenen Output wieder als Input verwenden. Seit ihren Anfängen, zeigt die Soziologin Nosthoff, ist Kybernetik eng mit der Entwicklung von Waffentechnik verschränkt, später gab es, unter anderem in Allendes Chile, Versuche, die gesamte Gesellschaft kybernetisch umzugestalten, was in anderer Form inzwischen von den sozialen Netzwerken der Gegenwart praktiziert wird. In der Tradition ihres Gewährsmanns Michel Foucault geht es Schmidt-Ott insbesondere darum, latente Machtstrukturen, die in kybernetische Verfahren eingebaut sind und unter anderem auch das Subjekt kybernetisieren, sichtbar zu machen. Als Gegenwartsanalyse bleibt das alles zwar ein bisschen unkonkret, meint Schmidt-Ott, die gleichwohl einiges gelernt hat von diesem Buch, das einen neuen Blick auf unsere jüngere Geschichte wirft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.02.2026

Ein enorm hilfreiches Buch hat Anna Verena Nosthoff geschrieben, lobt Rezensentin Nina Scholz. Nosthoff zeichnet nämlich nach, wie Kybernetiker seit den 1940er Jahren daran arbeiten, Menschen und Maschinen miteinander zu verknüpfen, erklärt Scholz: Anfangs arbeitete etwa Norbert Wiener an Feedback Loops. Später wurde die Kybernetik für politische Experimente genutzt, etwa in Chile, bevor sie wichtig wurde für die Ausgestaltung des Cyberspace - und schon sind wir in unserer von Silicon Valley neu gestalteten Gegenwart. Scholz kann von diesem Buch lernen, dass die Kybernetik schon immer einen Hang dazu hatte, Steuerungsmechanismen zu verschleiern, vor allem aber erfährt sie einiges über den autoritären Umschwung der Kybernetik in Zeiten chinesischer Sozialkreditsysteme und Silicon-Valley-Tech-Monopolisten. Es ist keineswegs unsinnig, angesichts aktueller Gefahren in die Geschichte der Kybernetik zurück zu blicken, glaubt Scholz - vielmehr zeige gerade eine Perspektive wie die Nosthoffs, dass die Mechanismen des Plattformkapitalismus viel mit der Silicon-Valley-Kultur zu tun haben. Vielleicht lernt man von diesem Buch sogar etwas darüber, hofft die Rezensentin, wie man den neuen Kapitalismus bekämpfen kann.

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