Im Winter 1916/17 hat Franz Kafka Oktavhefte für sein Schreiben verwendet. Gegenstand des vorliegenden Buches sind diese handschriftlichen Manuskripte - die Oktavhefte als Schreibraum. Die Spuren eines komplexen Schreibprozesses legen Zeugnis ab vom Ringen um den Anfang, das Ende und den Zusammenhang, von der Suche nach Strategien, um zu veröffentlichungswürdigen Texten zu gelangen, vom Umschreiben immer wieder gleicher Themen, die sich im nachhinein zu Kohärenzmustern zusammenfügen lassen. Im letzten Teil des Buches werden verschiedene Leserperspektiven und Editionskonzepte miteinander verglichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2003
Oliver Jungen ringt es einigen Respekt ab, wie die Literaturwissenschaftlerin mit geradezu "kriminologischem" Interesse an Kafkas Oktavhefte herangeht. Der Rezensent findet ihre Methode, die Hefte nicht als Fragmente oder Skizzen, sondern als "System des Teilbaus" zu lesen, sehr überzeugend. Insbesondere die Verfolgung einzelner Protagonisten, durch die Oktavhefte hindurch, bis zu "gemeinsamen Vorfahren" lobt Jungen als "reizvoll". Er betont, dass der Standpunkt, die vielen Überschreibungen, Durchstreichungen und Unterstreichungen der Texte als die "Substanz" der Hefte aufzufassen, nicht gerade neu ist. Allerdings erhalte die These durch die "handwerklich, argumentativ und stilistisch klare Analyse" von Schütterle ein "gewichtiges empirisches Fundament", das bisher gefehlt hat, so der Rezensent begeistert.
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