Annika Büsing

Wir kommen zurecht

Roman
Cover: Wir kommen zurecht
Steidl Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783969994542
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Philipp hat gelernt, sich am Riemen zu reißen, den Mund zu halten und niemandem auf die Nerven zu gehen. Er ist fast achtzehn und steht kurz vor dem Abi. Sein Vater, ein erfolgreicher Chirurg, hat eine neue Freundin und "stemmt die Welt", während seine Mutter nur noch ab und zu verschwommenen in seinen Gedanken auftaucht. Halt findet Philipp bei seinem besten Freund Lorenz, mit dem er fast alles teilt, bis auf seine unklaren Erinnerungen an einen Hund oder seine wilde Liebe zu Studentin Mascha. Als die Polizei anruft und wieder einmal nach Philipps Mutter sucht, muss er sich entscheiden, ob er weiterhin unsichtbar bleiben will oder endlich für sich selbst einsteht.Annika Büsing hat ein zartes, genau beobachtetes Buch über eine Familie geschrieben, die an der psychischen Erkrankung der Mutter fast zerbricht. Ganz nah kommt sie dem Denken, Fühlen und Leben ihrer Figuren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2025

Rezensentin Anna Nowaczyk verbringt gerne Lesezeit mit den Figuren, die in Annika Büsings Roman auftauchen. Zum Beispiel mit Philipp, einem 17-jährigen, der bei seinem Vater lebt, während seine Mutter, die psychische Probleme hat, zwar nicht mehr bei den beiden wohnt, aber dennoch die gesamte Familie auf Trab hält. Wie belastend psychische Krankheiten oft für Angehörige sind erfährt man laut Nowaczyk in diesem Buch, regelrecht stillgestellt fühlt sich Philipps Leben, das sich fast immer um die Mutter dreht, oft an. Wobei der Rezensentin gerade auch die Passagen über Philipps enge, innige Freundschaft mit einem anderen Jungen gefallen. Lebensnah sind in diesem gut, wenn auch nicht unbedingt zielstrebig geschriebenen Buch nicht zuletzt die Dialoge, lobt Nowaczyk, außerdem wechselt die Autorin immer wieder geschickt die Erzählperspektive. Ein starkes Buch, das keineswegs nur an der Oberfläche bleibt, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2025

Judith von Sternburg freut sich über einen gelungenen Roman von Annika Büsing, der gekonnt die Trennmauer zwischen Jugend- und Erwachsenenroman einreißt: Der Protagonist Philipp macht gerade Abitur, sein Vater ist Chirurg und stellt eine ziemliche "Wurschtigkeit" im Leben zur Schau, seine Mutter ist psychisch krank und kreist nur alle Jubeljahre mal an der Familie vorbei. Büsing fängt die melancholische Stimmung des 18-Jährigen gelungen ein, befindet Sternburg, die immer leicht verschobenen Perspektiven tragen dazu bei - die Autorin weiß offenbar, was es bedeutet, das "Kettenhemd der Adoleszenz" zu tragen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2025

"Einfach ein tolles Buch", jubelt Rezensentin Kim Kindermann nach der Lektüre von Annika Büsings Roman. "Schmerzhaft schön" ist diese Geschichte über einen Teenager, der mit der psychischen Erkrankung seiner Mutter umgehen muss. Diese Krankheit, die nach einer Art Borderline klingt, bestimmt die ganze Familie, so die Kritikerin, denn die Mutter ist unberechenbar: Mal verschwindet sie tagelang, mal taucht sie einfach in Philipps Klassenzimmer auf oder kauft ihm einen Hund, den sie später wieder wegnimmt. Auf kluge und sensible Weise schildere Büsing, wie diese Krankheit Philipp dazu zwingt, schneller reifer zu werden als andere in seinem Alter. Die Figuren, die Philipp begleiten und trösten, tragen ihren Teil dazu bei, dass die Rezensentin diesen Roman sehr gern gelesen hat. Jedes kleine Detail hat Bedeutung in diesem klugen, ja, preisverdächtigen, Buch, schließt eine begeisterte Kritikerin.
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