Robert Seethaler: Die StraßeDie Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…

Könnte man Annika Reichs neuen Berlin-Roman "34 Meter über dem Meer" schlichtweg als "Wohlfühlliteratur" abtun, hätte Rezensent Oliver Jungen eigentlich nicht allzu viel auszusetzen. Vergnügt begleitet der Kritiker zunächst Reichs "niedlich verpeilte", mal zaghafte, mal ausgelassene "Holly Golightly"-Reinkarnation Ella Rot durch ihr abenteuerliches Leben in Berlin, das ihn meist allerdings mehr an französische Filme à la "Die fabelhafte Welt der Amelie" erinnert. Auch Ellas Begegnungen mit diversen kuriosen Gestalten und Reichs Idee, immer wieder das Meer als unendlichen Freiheitsraum in dem "betörend sinnlichen" Roman auftreten zu lassen, findet der Rezensent durchaus "charmant". Dass Reich allerdings die Figur des Horowitz, einem Geheimwissenschaftler und gescheiterten Genie, der auf der Suche nach der Weltformel ist, auftreten lässt und sich so bemüht, ihrem Roman den Anstrich von Intellektualität zu verleihen, erscheint Jungen einfach albern. Nach der Lektüre von all der "Wissenschafts-Clownerie" geht dem Rezensenten auch der anfängliche Zauber verloren.