Ada beobachtet Paare, die auf dem Weg zur Therapiesitzung durch ihren Innenhof laufen. Was hält diese Paare zusammen, fragt sie sich. Ihr Ex-Mann Farid hat schon längst ein neues Leben begonnen, während sie wahllos Männer mit nach Hause nimmt, um ihre berufliche Zukunft als Kamerafrau bangt und ihrer gar zu vernünftigen Tochter Fanny insgeheim die Schuld an allem gibt. Doch dann will Adas Schwägerin Sira vor Beginn des Studiums noch einmal ihre Familie in Kairo besuchen und gerät dabei unversehens in die Arabische Revolution. Annika Reich schreibt über zwei eigensinnige Frauen, die mitten im Leben stehen - bis sie auch noch gezwungen werden, an der Weltgeschichte teilzunehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2015
Tomasz Kurianowicz lernt bei Annika Reich, was es bedeutet, in der Sojamilch-Latte nur noch das eigene langweilige Leben zu erblicken. Lakonisch und komplex schafft es die Autorin laut Rezensent, mit Berlin und Kairo zwei gegensätzliche Lebenswelten miteinander zu konfrontieren, in denen es doch jeweils darum geht, glücklich zu sein. Die weibliche Hauptfigur scheint dem Rezensenten in einer Zwickmühle zwischen Emanzipation, Selbstverwirklichung und Einsamkeit zu stecken. Dass Reich in ihrem Roman nicht so sehr auf das Konfliktpotenzial der Patchworkfamilie setzt denn auf das der Langeweile am bürgerlichen Ende der Geschichte, findet der Rezensent reizvoll. Nicht zuletzt auch, weil die aufgeworfenen Fragen weh tun, wie Kurianowicz schreibt.
Rainer Moritz begegnet diesem dritten Roman von Annika Reich mit viel Wohlwollen. Dass sich die Autorin gern mit der Frage nach dem glücklichen Leben befasst, weiß Moritz schon, im neuen Buch nun gibt Reich ihrem Thema mit dem Schauplatz Tahrir-Platz eine politische Dimension, erkennt der Rezensent. Es geht um Eifersucht und Paartherapien in Berlin, aber eben auch um den Arabischen Frühling, schreibt er und findet Reichs formale Lösung mit mehreren Erzählebenen ambitioniert, während Reichs Sprache ihm mitunter allzu straight und zu wenig poetisch erscheint.
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