Als Ante Ciliga, Mitglied des ZK der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, 1925 auf Grund seiner Parteiarbeit des Landes verwiesen wird, entscheidet er sich nach einem Jahr Tätigkeit als Auslandsvertreter der Komintern in Wien in die Sowjetunion zu gehen, um dort "an Ort und Stelle die Erfahrungen der ersten grossen russischen Revolution zu studieren". Doch der promovierte Philosoph und Historiker stößt auf eine Realität, die mit dem Selbstbild des neuen Staates unvereinbar ist. Er schließt sich der trotzkistischen Opposition an. Doch seine Empörung über die sozialen und politischen Verhältnisse "im Heimatland aller Werktätigen" führt dazu, dass er sich vom Trotzkismus wieder löst. Ciliga sieht das bolschewistische Regime in einem antagonistischen Widerspruch zu den Arbeitern und Bauern, die Idee der Emanzipation der Arbeiterklasse verraten. Weil er sich darüber nicht beirren lässt, wird er gegen seinen Willen 10 Jahre in der Sowjetunion verbringen, davon mehr als die Hälfte in Haft und Lagern.
Rezensent Felix Baum begrüßt diese Neuauflage von Ante Ciligas erstmals 1938 erschienenem Erfahrungsbericht über das stalinistische Russland. Er würdigt das Werk als "vergessenen Klassiker der linken Bolschewismuskritik". Der Erfahrungsberichts des jugoslawischen Kommunisten Ciliga, der 1926 als hoher Funktionär der jugoslawischen KP nach Russland kam, eröffnet für Baum einen genauen Einblick in die russische Gesellschaft unter dem Diktat von Zwangskollektivierungen und Industrialisierung. Spannend scheint ihm, dass das stalinistische Russland sowohl aus der Perspektive des privilegierten Kaders gezeigt wird als auch aus der Sicht der Zwangsarbeiter in den Lagern Sibiriens, zu denen der Autor selber gehörte, nachdem er in Ungnade gefallen war. Ciligas besonderes Interesse aber sieht Baum beim Alltagsleben der Bevölkerung, dem Elend der Arbeiter, dem Schicksal der Bauern.
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