Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Jeder Leser ein Detektiv: Wer findet das entscheidende Teil im Mörder-Puzzle? Wer hat die beiden Favoriten im Weltcup-Finale des Schnelligkeitspuzzlens ermordet? War es Spillsbury, der Konkurrent mit dem sagenhaften visuellen Gedächtnis? Oder Sutter, der einflussreiche Vorsitzende der puzzlelogischen Gesellschaft? Die Welt der Puzzlelogen teilt sich in Koloristen und Morphologen, so wie sie sich für andere in Kapitalisten und Kommunisten spaltet. Und es gibt einen Serienmörder, der die beiden Favoriten ums Leben bringt. Letztlich haben ein Kriminalroman und ein Puzzle die gleiche Struktur: Es gilt, viele kleine, manchmal unscheinbare Teile zu einem Bild zusammenzufügen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.07.2001
Ein Kriminalroman, der wie ein Puzzle gebaut und geschrieben ist, indem er mit der Chronologie und diversen Textsorten jongliert: etwa Zeitungsbericht, Interview, Bewerbungsschreiben und Sitzungsprotokoll - das, überlegt Rezensent Martin Ebel, ist schon eine Idee, die viel für sich hat. Zumal es um eine versponnen-elitäre "Gesellschaft für Puzzlologie" geht, die sich die Zeit mit Puzzeln vertreibt. Irgendwann taucht dann der "Polaroid-Mörder" auf, der seinen Opfern ein immer anderes Körperteil amputiert, um daraus ein Puzzle zusammenzustellen. So weit, so gut. Das klingt nach einem netten Mix aus Trash, Krimi und etwas irgendwie anrührend Glasperlenspielmäßigem. Doch leider, leider, so Martin Ebel, verschenkt Autor Antoine Bello diesen vielversprechenden Ansatz, indem er sich ganz und gar im Gestrüpp der Puzzle-Gesellschafts-Vereinsmeierei verliert: "Misstrauensvoten, Vorstandswahlen und ähnlich attraktiven Ereignissen, unglücklicherweise auch noch in dem unter französischen Autoren weit verbreiteten Schwadronierstil". Der Kriminalplot diene nur als Köder, um den Leser an vorzeitiger Flucht zu hindern.
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