Antonio Lobo Antunes

Kommission der Tränen

Roman
Cover: Kommission der Tränen
Luchterhand Literaturverlag, München 2014
ISBN 9783630874234
Gebunden, 384 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann. Cristina lebt in der Altstadt von Lissabon, in der Nähe des Tejo, hin und wieder aber auch in einer psychiatrischen Klinik, denn sie hört Stimmen, die ihr keine Ruhe lassen. Auch Gegenstände und Pflanzen sprechen zu ihr, aber vor allem sind es ihre frühen Erinnerungen, die sie nicht mehr loslassen. Sie wurde in Luanda, der Hauptstadt Angolas geboren, ihr Vater war Mitglied der MPLA, der marxistischleninistischen Befreiungsbewegung, die nach der Unabhängigkeit des Landes an die Regierung kam. Ihre Mutter, eine weiße Portugiesin, hat er in dem Nachtclub kennengelernt, in dem sie als Tänzerin auftrat. Als es in den späten Siebzigern zu grausamen "Säuberungen" innerhalb der MPLA kam, mit Schnellgerichten, Folterungen und Hinrichtungen, lud er schwere Schuld auf sich und floh später mit seiner Familie nach Portugal. Damals war Cristina fünf Jahre alt. Und doch kann sie nicht vergessen, wie manche der Opfer so lange tanzten, sangen und lachten, bis sie für immer verstummten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2015

Her mit dem Nobelpreis für António Lobo Antunes, meint Eberhard Geisler, der diesen Roman als neuerlichen Ausweis von Antunes' Kunst nimmt, die Komplexität von Geschichte sichtbar zu machen. Wie in früheren Büchern des Autors auch geht es um den Krieg Portugals gegen die angolanische Befreiungsbewegung, erklärt der Rezensent und fügt hinzu, dass Antunes den Fokus diesmal auf die Zeit der Unabhängigkeit richtet. Aus gutem Grund, wie es scheint, denn die Verhältnisse sind die nämlichen, wie Geisler feststellt. Antunes beschreibt traumatische Szenen, wie sich der vermeintliche Vater der weiblichen Hauptfigur genau wie andere Revolutionäre in Schuld verstrickt und die Unmenschlichkeit unter anderen Vorzeichen weitergeht. Antunes' Technik des polyphonene Romans scheint dem Rezensenten dazu gut zu passen. Erst durch die Überlagerung vieler Stimmen und indem er so Allgemeingültigkeit anzweifelt, scheint sich der Text laut Geisler den tatsächlichen Verhältnissen anzunähern. Antunes' bekannter lyrischer Stil trägt für den Rezensenten gleichfalls dazu bei.

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