Yasmina Liassine

Utopia Algeria

Roman
Cover: Utopia Algeria
austernbank Verlag , München 2025
ISBN 9783946687061
Gebunden, 144 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Katharina Triebner-Cabald. In ihrem autofiktionalen Roman "Utopia Algeria" entwirft Yasmina Liassine die Utopie eines neuen Algerien. Das Land hatte sich 1962 seine Unabhängigkeit von der Kolonialherrschaft Frankreichs erkämpft. Die "Pieds-Noirs" (ehemalige französische Besatzer) waren vertrieben worden, und eine junge Generation von Algeriern, die in Frankreich studiert hatten, und idealistischen Französinnen kehrten in ein Land von großer Schönheit und Chancenreichtum zurück. Die Kinder aus diesen Ehen waren die Hoffnungsträger einer gerechten Zukunft in einem modernen Land mit Platz für Frauen und Männer jeglicher Herkunft und Religion. Die Autorin selbst ist eine Tochter einer solchen Verbindung und beschreibt am Bespiel ihrer und befreundeter Familien die privaten und öffentlichen Spannungen dieses gesellschaftlichen Experiments. Erst als Erwachsene gesteht sie sich ein, dass sie in der Wahrnehmung der Algerier immer "die Tochter der Französin" geblieben ist. Sie stellt die über Algerien hinausgehende Frage, die uns durch die aktuellen gewaltsamen Konflikte in Europa und dem Nahen Osten vor Augen geführt werden, nach dem Zusammenleben verschiedener Ethnien, die Anspruch auf ein Land, den Gebrauch einer Sprache und die Deutungshoheit über die gemeinsame Geschichte erheben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.06.2025

Als "subjektive Spurensuche" bezeichnet Rezensentin Dina Netz Yasmina Liassines autobiografischen Roman, der ihr zunächst etwas "spröde" erscheint, sie dann jedoch schnell in seinen Bann zieht. Subjektiv, das heißt nicht, dass die algerisch-französische Autorin hier, wie Netz zu Folge so viele Schreibende zur Zeit, ausschließlich um die eigene Identität kreist. Ihr geht es um mehr, ihr geht es um eine "Utopia Algeria" - ein Algerien, zu dem sie sich, anders als im Staat Algerien, zugehörig fühlt, eine geistige Heimat, in der niemand festlegen kann, was es heißt, "algerisch zu sein" - weder französische Kolonisten, noch muslimische Nationalisten. Diese Heimat, erklärt Netz, setzt sich zusammen aus Erinnerungen, Erzählungen, Träumen und Sehnsüchten - und zwar nicht nur den eigenen, sondern auch denen anderer Menschen, von denen Liassine erzählt: Familienmitgliedern, Freundinnen, Bekannten. Dies sind die Spuren jener Utopie, denen die Autorin in ihrem schönen, sehnsuchtsvollen Text folgt, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2025

Rezensentin Sigrid Brinkmann vergleicht Yasmina Liassines "beeindruckenden" autobiografischen Debütroman mit jenem Mosaik, das die französisch-algerische Autorin bei einer Reise in ihr Geburtsland zum vorliegenden Text inspirierte: Ein Labyrinth, dessen verschlungene Wege ein Quadrat umschließen, so wie Liassines kunstvoll verwobene Erzählpfade sich einer Idee annähern oder einer Identität: Das wahre Algerien, lesen wir, ein Algerien, das nicht erst seit der Befreiung von der Kolonialmacht Frankreich besteht und nicht nur aus Menschen, die mindestens zwei muslimische Vorfahren väterlicherseits vorweisen können, wie die Nationale Befreiungsfront nach den Unabhängigkeitskämpfen festlegte. Mit klaren Worten, frei von Nostalgie und dennoch mitfühlend spürt Liassine diesem Algerien und seinem kulturellen Erbe nach in Geschichten über Landschaften, Tiere und Pflanzen, in den Schicksalen französischer Einwanderinnen und ihren algerischen Haushälterinnen, in Erinnerungen, Gerüchen und Empfindungen. Diese vielfältigen sinnlichen Elemente fügt sie auf geschickte, feinsinnige Weise zu einem facettenreichen Mosaik zusammen, so die berührte Rezensentin.

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