Deutsche Kolonialgeschichte in elf Fundstücken. Paravent, Teeservice, Speere, Schild und Papagei: Nicola Kuhn stellt Artefakte vor, die viel über die Kolonialzeit erzählen. Von Missionaren, Militärs, Siedlern oder Händlern als Trophäen und Erinnerungsstücke mitgebracht, verbirgt sich hinter jedem Objekt immer auch die Tragödie eines besetzen Landes und seiner Menschen. Die Fundstücke bezeugen die extreme Gewalt wie das vermeintlich friedliche Miteinander, radikale Ausbeutung, doch auch Versuche von Annäherung. Zu Wort kommen auch die heutigen Besitzer, die einen Umgang mit diesem Erbe finden müssen. Erzählerisch entwirft Nicola Kuhn so ein Panorama deutscher Kolonialherrschaft. Sie ist der Meinung: Nach einem Jahrhundert des Schweigens ist es Zeit, sich ein Bild zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.08.2024
In ihrem Buch geht Nicola Kuhn einer alten Familienlegende rund um einen chinesischen Paravent nach, den ihr Urgroßvater vom chinesischen Kaiser erhalten haben soll, erklärt Rezensentin Ingeborg Ruthe. Nach einer genauen Recherche deckt Kuhn die Legende ihres Urgroßvaters als einen "Akt privater kolonialistischer Aneignung" auf und legt nach dieser Erkenntnis ihre eigene, tiefe Betroffenheit überzeugend dar, lobt die Kritikerin. Bei zehn weiteren Fällen und Familien geht Kuhn ähnlich vor, immer mit ein wenig "abenteuerlicher Fantasie" angereichert, freut sich die Kritikerin. Ruthe imponiert außerdem, dass Kuhn dabei nie die Moralkeule oder Restitutions-Forderungen auspackt, sondern sich auf die "Sensibilisierung" für die eigene Familiengeschichte fokussiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2024
Eine Recherche zu einem familiären Erbstück stand am Anfang dieses Buchs, informiert uns Rezensentin Ulla Fölsing. Nicola Kuhn begab sich auf die Spuren eines Paravents, den ihr Urgroßvater einst angeblich vom chinesischen Kaiser geschenkt bekommen hatte. In dem nun erschienenen Buch rekonstruiere diese Geschichte, aber daneben auch die Geschichten zehn weiterer Kunstwerke aus ehemaligen Kolonien, die heute im Besitz anderer deutscher Familien sind. Erzählt wird dabei auch die Lebensgeschichte derjenigen, die ursprünglich in den Besitz der Werke gekommen waren, erfahren wir. Damit wird die Diskussion um koloniale Raubkunst ins Private erweitert, so die Rezensentin. Um Restitution gehe es dabei zumeist nicht, vielmehr stehe eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den in ihr transportierten kolonialistischen Mythen im Zentrum.
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