Hans-Peter Kunisch bespricht den Band zusammen mit dem Roman "Anweisungen an die Krokodile" desselben Autors (ebenfalls Luchterhand).
1) "Sonette an Christus":
Antunes verfolge in der hier versammelten "kleinen Prosa" das gleiche "Wahrnehmungsprogramm" wie in seinem Roman, aber mit einem Unterschied: Hier gebe es, anders als bei den Romanfiguren, ein klar profiliertes Ich, nämlich Antunes selbst. Eine Leichtigkeit charakterisiert diese Prosa, so Kunisch, "die neben den vielen bekannten, großen, monomanen Romanen des portugiesischen Weltliteraten und Schmerzensmanns wie ein frischer Fremdkörper wirkt".
2) "Anweisungen an die Krokodile":
Ausführlich geht Kunisch auf Antunes` literarische Strategie ein und zeigt, wie Antunes die politische Geschichte Portugals an den privaten Sehnsüchten von vier Frauen bricht, die die Putschbestrebungen ihrer Männer nach der Nelkenrevolution nur am Rande mitbekommen. Für Leser, die nach dem klassischen Modell der literarischen Identifikation suchen, ist Antunes dabei nicht der richtige Autor, meint Kunisch. Denn die Personen würden äußerlich kaum charakterisiert, dafür aber sei ihre Wahrnehmung umso genauer nachgezeichnet. Darin liegt nach Kunisch das raffinierte politisch-literarische Programm des Romanciers: Er reflektiere "über die Belanglosigkeit politischen Handelns für die einzelnen und seine trotzdem vorhandene Wirkung auf ihn."
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