Aus dem Portugiesischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Sven Limbeck. Pedro verbummelt seine Zeit in einer portugiesischen Provinzstadt. Zwischen der kleinbürgerlichen Enge seines Pensionsquartiers bei der bigotten Senhora Dona Felicia und den hochtrabenden Kaffeehausdisputen seiner Bekannten, die sich trotz ihrer Mittelmäßigkeit als intellektuelle Avantgarde gebärden, versucht Pedro die Wirklichkeit zu ergründen. Er sucht sie auf seinen nächtlichen Spaziergängen, im Geplänkel mit den Freunden, in den Körpern der Frauen ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.10.2001
Der Held in Jose Regios Roman "Blindekuh" karikiert mit seiner distanzierten Fremd- und Selbstbeobachtung die "endlosen Nächte der portugiesischen Literaten und Bohemiens in den zwanziger Jahren in Lissabon", erzählt Guido Graf. Die "exaltierten, cafehausradikalen Jünglinge" in Regios Roman zeigten sich unbekümmert gegenüber jeglicher Verantwortung, sind schwärmerisch und unbeherrscht. Diese Darstellung, so Graf, führte dazu, dass der bereits 1934 erschienene Roman wegen "Unsittlichkeit" zensiert und erst kurz vor Regios Tod 1969 neu aufgelegt werden konnte. Graf zweifelt keinen Moment an der Stilsicherheit des Autors, an seiner faszinierenden Begabung für die ironische Groteske und lobt den "gelassenen und melancholischen Rhythmus" der Prosa. Die "utopische Sehnsucht nach dem großen Werk", der die Protagonisten in ihren ausschweifenden, nächtlichen Zusammenkünften nachhängen, scheint sich für Regio mit diesem Roman erfüllt zu haben, glaubt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2001
Keinen "Thesenroman" verspricht Thomas Laux in seiner Kritik, und doch lässt sie solche Rückschlüsse auf "Blindekuh" zu, geht es doch um das ethische Programm einer Literaten- und Künstlergruppe im Lissabon der 30er Jahre, wie sie auch in Paris hätte zusammenkommen können. Man redet, diskutiert, räsoniert - Laux spricht in dem Zusammenhang vom "Reflexionssnobismus", dem die beiden Helden unterliegen. Außerdem verstricken sie sich derart in sexuelle Abenteuer, dass der Rezensent über die Freizügigkeit dieses Romans staunt. Kein Wunder, schreibt er, dass der Roman von 1934 bis 1963 von der portugiesischen Zensur verboten war. Der Widerstreit und das Ringen der beiden Protagonisten um Ideale, das sich als zerstörerisch erweist, erinnern Laux im Übrigen an das Verhältnis Rimbaud - Verlaine.
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