Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630877365 Gebunden, 448 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann. 23 Erzähler*innen, 23 Geschichten und ein Menschenleben. Er ist gebildet, elegant und zurückhaltend. Er ist der Sohn einer verarmten Großgrundbesitzerfamilie. Und er ist aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals. Letzteres wird ihn in die Fänge der Polizei und schließlich in die entsetzlichen Gefängnisse des Salazarregimes bringen. Dass die Partei nicht zu ihm stehen wird - vermutlich wegen seiner Homosexualität -, ist nur eines von vielen weiteren Hindernissen auf seinem Lebensweg. Der Roman "Das Wörterbuch der Sprache der Blumen" setzt Júlio Melo Fogaça, einer bedeutenden, aber in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. In dreiundzwanzig Kapiteln erzählen dreiundzwanzig Menschen, die ihm begegnet sind, die ihn gekannt, ihn geliebt haben, von ihrem Leben und von der Rolle, die er darin gespielt hat. Es ist die Erinnerung an ein Menschenleben und eine Geschichte von Sehnsucht und Hoffnung, Armut und Einsamkeit, Schönheit und Natur, die António Lobo Antunes heraufbeschwört.
"So polyphon wie die Gegenwart" ist für Rezensentin Sigrid Löffler auch der letzte Roman des Anfang März verstorbenen Portugiesen António Lobo Antunes, der sich Zeit seiner Karriere mit der Geschichte seines Landes zwischen Salazars Diktatur und den kolonialen Verwicklungen auseinandergesetzt hat. Auch in diesem Roman steht wieder ein Herrenhaus im Zentrum, das langsam, aber sicher in der Versenkung verschwindet, weil dessen verbliebene Bewohner zu sehr in der Vergangenheit leben, erfahren wir. Die Hauptfigur ist angelehnt an Júlio de Melo Fogaça, den vergessenen homosexuellen politischen Häftling der Diktatur. Er taucht gar nicht selbst auf, wird aber als Sohn des Großgrundbesitzers von allen erinnert, resümiert Löffler. 23 verschiedene Perspektiven auf ihn kommen zusammen, er ist kommunistischer Untergrundkämpfer ebenso wie der Liebhaber eines jungen Arbeiters - sie sind nicht chronologisch, sondern erzeugen das für Antunes typische "Stimmengewirr", das die Kritikerin einzigartig findet, auch wenn sie einräumt, dass man sich durchaus im "Sprachdickicht dieses Verrätselungsvirtuosen" verirren kann.
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