Aus dem Portugiesischen von Ulrich Kuntzmann. Lissabon Eine Ehefrau und Mutter, zwanghaft ordentlich und manisch ängstlich, wird von ihrem Mann verlassen, für eine Jüngere, eine Künstlerin zudem. Die Betrogene, aus der Sicherheit ihres bisherigen Daseins gestoßen, schlägt zurück. Zum Austragungsort ihrer Rache wählt die Panikerin ausgerechnet New York, den Ort, wo Chaos und Gewalt herrschen. Dorthin reist ihr Mann, ein Arzt, zu einem Kongress - mit der Neuen, und nur dort kann sie versuchen diese Beziehung zu vernichten. Sie lauert den beiden verkleidet auf, erschreckt und terrorisiert sie per Telefon Sie kennt die Ängste, die ihren Mann kaum weniger beherrschen als sie selbst. Wie eine Spinne legt sie ihr Netz über den Washington Square und hofft, dass ihre Beute sich darin verfängt.
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Eine Frau ist ihrem Mann und dessen Geliebter aus Lissabon nach New York gefolgt. Sie rast vor Eifersucht. Sie will ihren Verletzer verletzen. Am Ende ist ihr Mann tot. Es macht Spaß, diesen Krimi zu lesen. Man ist schnell fertig damit. Man bewundert die Kälte, mit der er konstruiert ist. Es macht der Autorin Ana Nobre de Gusmao nichts aus, dass das Skelett der Geschichte an jeder Stelle durchscheint... Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2002
Der Kurzroman von Gusmao "Spiegel der Angst" komme zwar "vordergründig als Kriminalroman" daher, meint Rezensent Thomas Sträter, sei aber vielmehr ein Beziehungsdrama, in dem die "lakonisch gekonnt" dargestellte Geschichte eines Seitensprungs aus der Perspektive der Ehefrau einerseits und ein "ironischer Blick" auf die traditionellen Geschlechterbeziehungen andererseits enthalten ist, so Sträter angetan. Besonders eine Szene, in der die Protagonistin ihre Freundin im "Wasp-Milieu" in Neuengland besucht, preist der Rezensent als "meisterhafte Prosaminiatur", und von diesen scheint er mehrere gefunden zu haben.
Rezensent Rolf Vollmann erinnert zunächst an erfolgreiche Romane einer Marguerite Duras oder der jungen Francoise Sagan, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Leichtigkeit einen bestimmten Moment und eine Zeitstimmung einfingen. Die Autorin des vorliegenden Buchs reiht sich in Vollmanns Augen in diese Tradition der Erzählungen ein, in denen "die hübsche Seifenblase einer Illusion, einer kleinen heilen Welt platzt". Ein Mann in den reifen Jahren, der seine Frau verlässt und mit einer jungen Künstlerin nach New York geht, stolpert über den hübschen Lyriker, mit dem die enttäuschte Ehefrau den beiden folgt, und der sich seiner Geliebten annähert. Die Autorin, so der Rezensent, holt alle Figuren wieder auf den Boden der nüchternen Tatsachen zurückholt, verfällt aber zu sehr in dieses "traurige Geräusch", das sich auf die Erfahrung eines Verlustes einstellt. So richtig einzuordnen weiß Vollmann diese Stimmung nicht, sie bleibt für ihn im Ungefähren.
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