Aus dem Englischen von Pieke Biermann. Mit 17 hat Alexandra - genannt Sascha - Goldberg schon ein ganzes Leben hinter sich: Sie war Kunststudentin in Moskau (erschwindelter Platz), wurde Mutter einer ungewollten Tochter in Asbest 2, einem Gulag-Außenposten im postsowjetischen Sibirien (grausam), bewarb sich als mail-order-Braut (erfolgreich) und konterkarierte damit die Bemühungen ihrer Mutter, ein respektables Mitglied der "intelligenzija" aus ihr zu machen (endgültig). Saschas Weg führt aus einem gottverlassenen ex-sozialistischen Kaff in das Land der falschen Verheißungen - über Phoenix Arizona (indiskutable Ehe) nach Chicago (privilegierte Sklavenarbeit) bis nach Brooklyn, wo so was wie Glück endlich greifbar wird. Für ein Mädchen mit der Anmut eines Elefantenbabys, störrischem Haar und zu dunkler Haut hat Sascha Goldberg aus Asbest 2 ein verblüffend großes Herz und einen geradezu hysterischen Scharfblick auf das Leben in Amerika.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2009
Burkhard Müller ist hingerissen vom Debütroman der in Russland geborenen, mit 17 Jahren nach Amerika ausgewanderten Anya Ulinich. Sie erzählt darin von Sascha Goldberg, deren jüdisch-afrikanischen Wurzeln sie in ihrem sibirischen Heimatort "Asbest II" zum bevorzugten Opfer ihrer Klassenkameraden machen und die schließlich in die USA gelangt und dort als Feng-Shui-Putzfrau erfolgreich ist, wie der Rezensent zusammenfasst. Müller begeistert sich am verzweifelten Witz und an der Poesie, mit der die Autorin ihre Heldin als Wanderin zwischen zwei Kulturen darstellt und er freut sich genauso an der Originalität wie an der Menschlichkeit, die aus dem Buch spricht. Eine lobende Erwähnung findet auch Pieke Biermann als Übersetzerin des Romans, denn der Rezensent findet, dass sie ihn mit einem guten Gehör für Feinheiten ins Deutsche übertragen hat.
Als unerhört schwerelosen ?Balanceakt zwischen Satire und Melodram, Komik und Tragik? feiert Rezensentin Katharina Granzin dieses Debüt der russisch-amerikanischen Autorin, über ein dunkelhäutiges Kind in Sibirien, das - kaum erwachsen - von einer postsowjetischen Kinderkunstakademie über eine Brautvermittlung nach Arizona in die USA gerät. Denn dieser Coming-of-Age- und Emigranten-Roman pulsiert aus ihrer Sicht vor hintergründigem Witz. Auch beeindruckt sie die Lakonie, mit der die junge Protagonistin die Tragik ihres Lebens schultert. Und die merkwürdige suggestive Mischung aus Surrealität und Authentizität, mit der die Autorin ihre Geschichte erzählt. Auch Pieke Biermanns Übersetzung wird gelobt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2008
Rezensentin Julia Bähr ist so angeregt von der Lektüre dieses Romans, dass sie aus der Nacherzählung gar nicht mehr herauskommt und in ihren Urteilen am Ende etwas unbedarft wirkt. Dass die Autorin einen Sinn für Satire habe "und auch weiß, wann man ihn einsetzen darf und wann nicht", heißt es da etwa. Korrekte Satire? Oh je. Wo Ulinich satirisch ist und wo nicht, ist Bährs Rezension aber gar nicht zu entnehmen. Immerhin erscheint der Roman darin als eine gut erzählte Variation über die Themen der Emigration und der Heimkehr.
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